DIE AUFERSTEHUNG

 

VORBEMERKUNG

Der Grund dafür, dass ich die Vergleiche und Beispiele in diesen Abhandlungen in Form von Erzählungen niedergeschrieben habe, ist der, damit einerseits einem besseren Verständnis zu dienen und andererseits aufzuzeigen, wie sehr die Wahrheiten des Islam der Logik des Verstandes entsprechen, einander ergänzen und stützen und wie wohl sie begründet sind. Der Sinn der Erzählungen ist die Wahrheit, die sich an ihrem Ende herausstellt. So dienen die Vergleiche lediglich als ein Hinweis auf diese Wahrheit. Sie sind keine blossen phantasiegeschichten, sondern tatsächliche Wahrheiten.

Bruder, wenn du eine Auslegung von Auferstehung und Jenseits in einfacher Sprache und allgemein verständlicher Form möchtest, dann lausche den nun folgenden kleinen Beispielerzählungen. Betrachte sie so, wie auch meine Seele es tut!

Einst gingen zwei Männer in ein Land, das so schön war wie das Paradies (womit wir diese Welt bezeichnen wollen). Sie schauen sich um und sehen, dass jeder der Bewohner Tür und Tor von Haus und Hof offen stehen lässt und gar nicht daran denkt, seinen Laden zu bewachen. Somit sind Geld und Gut jedermann zugänglich. Der eine der beiden Männer streckt seine Hand nach allem aus, was er sich wünscht, stiehlt es, rafft es an sich. So folgt er seinen Gelüsten, tut unrecht und kennt kein Mass. Die Bewohner kümmern sich wenig darum. Der andere aber sagt zu ihm:

"Was machst du da? Man wird dich bestrafen. Und mich wirst du mit in dein Unglück hineinziehen. All dies hier ist Staatseigentum. Diese Bewohner leisten Militärdienst mit all ihren Familien, dienen als Beamte und verrichten ihren Dienst in Zivil. Deswegen kümmern sie sich so wenig um dich. Aber das Gesetz ist streng. Des Königs Telephone und Seine Beamten finden sich überall. Geh schnell und entschuldige dich!" Doch der Strolch blieb verstockt und sagte: "Nein, das ist gar kein Staatseigentum. Wahrscheinlich ist es volkseigen undgehört eigentlich niemandem. Jeder kann sich davon nehmen, was er will. Ich sehe gar keinen Grund dafür, warum ich mir den Gebrauch dieser schönen Dinge versagen sollte. Wenn ich das nicht mit eigenen Augen gesehen habe, werde ich es nicht glauben." So fuhr er fort, sich in seine Spitzfindigkeiten hineinzuphilosophieren. Zwischen den beiden begann nun ein ernsthaftes Streitgespräch. Zuerst sagte er in seiner Verblendung:

"Wer ist der König? Ich kenne ihn nicht..." Sein Gefährte gab ihm zur Antwort: "Es gibt kein Dorf ohne einen Bürgermeister, keine Nadel ohne ihren Meister; sie kann nicht ohne einen Besitzer sein. Es gibt keinen Buchstaben ohne seinen Schreiber das weisst du. Wie wäre es also möglich, dass dieses so wohlgeordnete Land ohne einen Herrscher wäre? Und woher sollte all der Reichtum an kunst- und wertvollen Gütern kommen, so, als käme jede Stunde ein Zug aus dem Unsichtbaren? (Anm.) Hier wird er ausgeladen und fährt wieder weiter. Wie sollte er keinen Herrn haben? Und die Veröffentlichungen und Bekanntmachungen, die überall zu sehen sind, die Siegel, Stempel und Plomben, die an allen Waren zu sehen sind, die Fahnen, die an allen Ecken flattern, wie sollten sie ohne Besitzer sein? Ich meine, du hättest ein wenig fremde Sprachen studiert. Doch diese islamischen Schriften kannst du nicht lesen. Ja, du fragst nicht einmal den, der sie kennt. Also komm nun, ich werde dir des Königs obersten Erlass verlesen:"

 

Anm.: Der Zug bedeutet den Jahreskreis. Ja, der Frühling ist wie ein Waggon Lebensmittel,der aus dem Unsichtbaren kommt.

Doch der in seiner Verblendung wandte sich ab und sagte:

"Also nehmen wir einmal an, dass es einen König gibt. Aber was schadet Ihm das bisschen, das ich mir nehme? Verliert dadurch Sein Schatz an Wert? Zudem gibt es hier nicht Haft noch Kerker. Eine Strafe ist nicht zu erkennen."

Sein Gefährte gab ihm zur Antwort:

"Mein Gott, das Land, das du hier siehst ist doch ein Übungsgelände. Zudem ist es ein Museum der wunderbarsten Kunstwerke des Sultans. Es gleicht einer Wanderherberge ohne Basis. Siehst du denn nicht, wie jeden Tag eine Schar kommt, eine andere geht und entschwindet. Es füllt sich und entleert sich ständig. Noch kurze Zeit wird und dieses Land umgestaltet werden. Diese Bewohner werden in ein anderes, ewiges Königreich verpflanzt werden. Dort wird jeder seinem Verdienst entsprechend Strafe oder Lohn empfangen."

Doch wiederum lehnte sich der Treulose in seiner Verblendung dagegen auf und sagte: "Das glaube ich nicht. Ist es denn überhaupt möglich, dass dieses Land zerstört werden sollte?.... und alle in ein anderes Land hinüberwandern sollten?" Dem antwortete sein getreuer Gefährte:

Da du nun einmal so verstockt und verbohrt bist, komm und lass dir in "Zwölf Bildern" zeigen, welche Beweise ohne Zahl und Grenzen es dafür gibt, dass es einen obersten Gerichtshof gibt, ein Haus der Gnade und Belohnung und ein Haus der Gefangenschaft und Strafe und dass dieses Land, so wie es sich in jeden Tag ein wenig leert, eines kommenden Tages auch völlig entleert und zerstört werden wird.

Erstes Bild: Wäre es überhaupt möglich, dass in einem Königreich und besonders in einem Königreich von solchem Glanz - die Untertanen für gute Dienstleistungen keinen Lohn und die Aufständischen keine Strafe empfingen? Es scheint, als gäbe es hier der gleichen nicht. Das heisst, es muss an einem anderen Ort einen obersten Gerichtshof geben.

Zweites Bild: Betrachte einmal den Handel und Verkehr! Wie jedermann, auch der Ärmste und Schwächste unter ihnen so gut und so vollkommen versorgt wird! Selbst die Kranken, die niemanden haben,werden bestens versorgt. Zudem gibt es kostbare und erlesene Speisen, wertvolles Geschirr, edelsteingeschmückte Orden und Ehrenzeichen, die schönsten Festtagskleider und königliche Gastmähler. Sieh einmal, wie sehr ein jeder, ausgenommen so Verblendete wie du, seinen Pflichten die höchste Aufmerksamkeit schenkt. Niemand überschreitet auch nur um einen Zoll seine Grenzen. Die grösste Persönlichkeit verrichtet ihren Dienst in Demut, Gehorsam und Bescheidenheit und in aller Ehrfurcht. So besitzt also der Herr dieses Königreichs höchste Freigebigkeit und allumfassendes Erbarmen, wie auch grösste Würde, höchste Majestät, Ehre und Ansehen. Freigebigkeit aber erfordert es, Huld zu erweisen. Erbarmen kann ohne die Güte nicht sein. Zudem ist es notwendig, zu tun, was der Würde entspricht und die Selbstachtung erfordert. Ehre und Ansehen erfordern es, dass die Ehr- und Würdelose bestraft werden. Aber in diesem Lande wird kaum ein Tausendstel dessen erfüllt, was der Barmherzigkeit und Würde entspricht. Der Unterdrücker verharrt in seinem Stolz und der Beleidigte in seiner Erniedrigung; sie ziehen von dannen, scheiden von hinnen. Das heisst: alles bleibt einem obersten Gerichtshof überlassen.

Drittes Bild: Siehe, mit welch erhabener Weisheit und Wohlgeordnetheit alles ausgeführt wird! Und auch mit welch wahrhafter Gerechtigkeit und Ausgewogenheit alles nötige erledigt wird! so erfordert es die Weisheit der Staatsführung, dass die Flüchtlinge, die unter königlichem Schutze Zuflucht gesucht haben, mit Wohlwollen aufgenommen werden. Und die Gerechtigkeit erfordert, dass die Untertanen in ihren Rechten geachtet werden, damit das Ansehen des Staates und Seine königliche Majestät gewahrt bleiben.

Aber in diesen Breiten wird kaum ein Tausendstel dessen erfüllt, was einer solchen Weisheit und Gerechtigkeit entspricht. Doch gleich dir ziehen die meisten verblendet, ohne ihre Strafe erlangt zu haben von dannen. Das heisst: alles bleibt einem obersten Gerichtshof überlassen.

Viertes Bild: Betrachte diese unvergleichlichen Juwelen in Ausstellungen ohne Zahl und Grenze, diese einzigartigen Speisen auf den Tischen: sie zeigen die grenzenlose Freigebigkeit des Königs dieser Stätten und Seine Kammern voll unschätzbarer Reichtümer. Aber eine solche Freigebigkeit und solche unerschöpflichen Reichtümer erfordern eine beständige Einrichtung, wo die Gäste stets all das vorfinden, was sie sich nur wünschen.

Und weiter ist es wünschenswert, dass diejenigen, welche in den Genuss dieses Gastmahles gelangt sind, daran auch weiterhin teilnehmen können, damit weder Tod noch Trennung noch Trauer seien, denn wie am Ende der Schmerzen die Freude steht, so ist auch das Ende der Freude ein Schmerz. Betrachte diese Ausstellungen! Schaue jene Bekanntmachungen an! Leihe dein Ohr diesen Ausrufern! Sie stellen die Kunstschätze eines wundertätigen Königs zusammen und zeigen sie. Sie künden Seine Vollkommenheit. Sie sind ein Zeugnis Seiner unvergleichlichen geistigen Vollendung. Sie erzählen von der Tiefe Seiner verborgenen Schönheit. Das heisst also, dass Seine innere Schönheit und Vollendung über die Massen staunenswert ist. Eine solche verborgene, makellose Vollendung aber erfordert jemanden, der sie zu würdigen weiss, sich für sie zu begeistern vermag, ma-scha-a'llah sagt, der sie zu erkennen und für andere darzustellen versteht. Diese verborgene Schönheit ohnegleichen verlangt zu sehen und gesehen zu werden, nämlich die eigene Schönheit auf zweierlei Weise anzuerkennen... erstens, sich selbst in verschiedenen Spiegeln zu betrachten, zum anderen, sich in dem Verlangen der Betrachter und der Begeisterung der Bewunderer zu erkennen, selbst zu sehen als auch geschaut zu werden, ständig zu bezeugen und immerwährender Zeuge zu sein. Auch verlangt diese immerwährende Schönheit die beständige Anwesenheit derer, welche sie sehnsüchtig betrachten und sich für sie begeistern. Denn eine immerwährende Schönheit kann sich nicht mit einem sterblichen Bewunderer zufriedengeben. Denn ein Betrachter, der unwiderruflich zum Tode verurteilt ist, dessen Liebe verwandelt sich angesichts des Todes in Feindschaft. Seine Begeisterung und Verehrung verwandelt sich in Beschimpfung. Denn der Mensch ist ein Feind dessen, was er nicht kennt und nicht zu erreichen vermag. Denn jeder scheidet rasch aus diesen Herbergen und zieht von dannen. Er sieht das Licht dieser Schönheit und Vollkommenheit oder auch nur einen Schatten davon für einen Augenblick und geht wieder davon, ohne sich satt gesehen zu haben. Das heisst, er geht hinüber in ewige Gärten.

Fünftes Bild: Siehe, wie in allen diesen Werken sichtbar wird, welch grosse Liebe diese unvergleichliche Persönlichkeit hat! Denn ER schickt seine Hilfe jedem, der von einem Unglück betroffen ist. ER gibt eine Antwort auf jedes Ansinnen und Verlangen. Ja, siehe, ER befriedigt sogar liebevoll das allereinfachste Bedürfnis eines Seiner niedersten Untertanen. Hat sich das Schaf eines Hirten den Fuss verstaucht, schickt ER entweder eine Salbe oder einen Arzt.

Auf? Gehen wir zu dieser Insel dort hinüber, wo gerade eine grosse Versammlung stattfindet. Alle Edlen des ganzen Landes haben sich dort versammelt. Schau, einer der höchsten Botschafter, geschmückt mit höchsten Auszeichnungen, hält eine Rede. Er erbittet etwas von seinem liebevollen König. Alle Einwohner sagen: "Ja, oh ja, das ist es, was wir wünschen". Sie unterstützen und bestätigen ihn. Höre nun, was der sagt, auf dem das Wohlgefallen des Königs ruht:

"Oh du unser Sultan, der Du uns mit Deinen Gnadengaben nährst! Zeige uns die Ursprünge und Quellen dessen, was Du uns durch Beispiele oder nur schattenhaft vor Augen geführt hast. Lenke unsere Schritte zum Sitz deiner Königsherrschaft! Lass uns nicht in diesen Wüsten zugrunde gehen! Rufe uns in deine Gegenwart! Erbarme Dich unser! Speise uns dort mit den wohlschmeckenden Gaben, von denen Du uns hier bereits einen Vorgeschmack gegeben hast! Bestrafe uns nicht mit Tod und Verbannung! Lass Deine gehorsamen Untertanen, die nach Dir verlangen und die Dir Dank sagen, nicht als Waisen zurück, damit sie nicht zugrundegehen!" So spricht er und fleht inständig. Und auch du kannst ihn hören. Ja wäre es denn möglich, dass ein so liebevoller und mächtiger König, der auch den einfachsten Wunsch auch eines ganz einfachen Mannes ernst nimmt und erfüllt, dem vornehmsten Verlangen eines Seiner edelsten Botschafter nicht mit Wohlwollen entspräche? Denn das Verlangen dieses Edlen ist zugleich auch das Verlangen aller. Zudem fordert dies auch der Wunsch des Königs und auch Seine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Und es fällt Ihm auch leicht, nicht schwer. Es ist Ihm dies weniger schwer, als diese zeitweiligen Rastplätze in den Ausflugsorten für die Gäste zu schaffen. ER, der, um uns ein Musterbeispiel vor Augen zu führen, für einen Rastplatz von fünf, sechs Tagen solche Kosten aufwendet und dieses Land aufgebaut hat, wird sicherlich auch, um Seine wahren Schatzkammern, Seine Vollkommenheiten und Kunstfertigkeiten am Sitz Seines Königtums darzustellen, auch Rast- und Ruheplätze schaffen, die unsere Sinne in Erstaunen zu versetzen.

Das heisst, dass wir an diesem Ort der Prüfungen nicht uns selbst überlassen bleiben, sondern auf die Schlösser der Glückseligkeit oder die Kerker warten.

Sechstes Bild: Also nun komm und sieh! All diese gewaltigen Flugzeuge, Maschinenund Werkzeugparks, Bahndepots und Lagerhallen, Messen, Ausstellungen und Kongresse zeigen, dass es ein glanzvolles Königreich gibt, das gleichsam hinter dieser Kulisse regiert. (Anm.)

Anm.: Ein Beispiel. Ein riesiges Heer, das auf einem Truppenübungsplatz während einer Gefechtsübung den Befehl erhält: "Zu den Waffen! Pflanzt die Bajonette auf?", gleicht einem Wald, der mit dichtem, dornübersäten Unterholz bewachsen ist. In gleicher Weise ähnelt ein Truppenübungsplatz, wenn an Feiertagen zur Parade der Befehl ausgegeben wird: "Es ist Uniform anzuziehen und die Orden sind anzulegen!", einem Garten, der ganz und gar mit bunten Blumen aller Arten geschmückt ist. So auch erhalten die bewustseinslosen Arten der Pflanzen unter den zahllosen Arten der Heere des urewigen Sultans wie Engel, Dschinnen, Menschen und Tiere auf dem Weltenrund im Kampf ums Dasein den Befehl:"Wenn sie diesen Befehl erhalten, gleich dem Befehl:"Nehmt Waffen und Feldzeug auf, um euch zu verteidigen!", pflanzen alle die dorntragenden Sträucher ihre winzigen Bajonette auf und ähneln so einem gewaltigen Heerlager aufgepflanzter Bajonette...

So ist auch jeder einzelne Frühlingstag,jede einzelne Woche wie ein Feiertag für eine bestimmte Pflanzenart. Und jede Pflanzenart stellt sich so dar, also ob sie die schönen Geschenke, die ihr der urewige König verliehen hat, zur Schau stellen und die Auszeichnungen, mit denen ER sie geschmückt hat, in einer Art Parade, den sie betrachtenden Blicken des Sultans vorführen wollte. Es ist, als hörten alle die grossen und kleinen Pflanzen den Befehl des Herrn: Schmückt euch mit den edelsteinbesetzten Kunstwerken des Herrn und legt eure Auszeichnungen der göttlichen Schöpfernatur, wie man die Blüten und Früchte nennen möchte, an.

Und alle Knospen sollen sich öffnen!" Die Erdoberfläche gleicht einem Heerlager, das an einem grossartigen Festtage bei einer königlichen Parade im Schmuck seiner farbenprächtigen Uniformen und edelsteinbesetzten Orden strahlt.

Eine in solchem Grade weise und wohlgeordnete Ausstattung und all dieser Schmuck zeigen sicherlich jedem, der nicht blind ist, dass dies auf Befehl eines Königs geschieht, der grenzenlos mächtig ist und ein Herrscher von unbegrenzter Weisheit.

Ein solches Königreich erfordert Untertanen, die dessen würdig sind. Du siehst aber,dass sich alle Untertanen in dieser Herberge versammelt haben. Diese Herberge aber füllt und leert sich täglich. Ausserdem haben sich alle Untertanen zu Übungen auf dem Prüfungsgelände eingefunden. Dieses Gelände jedoch wird jede Stunde verändert. Und alle Untertanen bleiben nur ein paar Minuten auf diesem Messegelände um die Muster wertvoller Geschenke und wunderbarer antiker Kunstwerke des Königs in den Hallen zu betrachten. Dieses Messegelände jedoch verwandelt sich in jeder Minute. Wer gegangen ist, kommt nicht mehr wieder; wer gekommen ist, geht wieder. So zeigen also diese Situation und ihre Veränderungen unfehlbar, dass es hinter dieser Herberge, dem Prüfungsgelände und dem Messegelände immerwährende ·Schlösser, bleibende Wohnungen, Weinberge und Schatzhäuser angefüllt mit reinen und hohen Originalen dieser Muster und Bilder gibt.

Das heisst: Hier wird gearbeitet und dort empfangen. ER gibt hier die Arbeit und dort den Lohn. Es empfängt dort jeder Glückseligkeit entsprechend seiner Fähigkeit.

Siebentes Bild: Komm und lass uns ein wenig spazieren gehen.Wir wollen einmal sehen was diese zivilisierten Leuten so alles besitzen! Schau, überall und in jeder Ecke sind Photopparate aufgestellt, um Bilder aufzunehmen. Und sieh: Uberall sitzen Schreiber, die sich etwas notieren. Sie schreiben sich alles auf und berichten auch noch über den unwichtigsten Dienst und das allerkleinste Ereignis. Sieh, auf diesem hohen Berg dort ist ein riesiger Fotoapparat aufgestellt, der dem König selbst gehört und Bilder aufnimmt von dem, was überall in der Welt geschieht. (Anm.) ____

Anm. Ein Teil der Bedeutungen, auf die dieses Bild hinweist, wurden bereits in der "Siebenten Wahrheit" erklärt. Wir wollen hier nur die Bedeutung des grossen Apparates erklären, der dem König selbst gehört und "lauhi mahfudh (=wohlverwahrte Tafel)" genant wird. Die Tatsache der "lauhi mahfudh" wurde im "26. Wort" folgendermassen bewiesen: so wie z. B. enige Personalausweise einzelner Personen auf ein grosses Meldeamt hinweisen, einige Urkunden die Existenz eines grossen Registeramtes vermuten lassen, oder ein paar Wassertropfen auf das Vorhandensein einer Quelle schliessen lassen, so auch lässt das Gedächtnis der Menschenkinder, lassen die Früchte der Bäume, die Samenkerne und -körner der Früchte, die den Ausweisen der einzelnen Personen gleichen und auch den Charakter einzelner kleiner "lauhi mahfudh" haben, lassen einzelne Punkte, aus der Feder, welche die grosse "lauhi mahfudh" beschreibt, herausgetropft, sicherlich ein grosses Gedächtnis, ein grosses Register, eine grosse "lauhi mahfudh" erahnen. In der Tat weisen sie darauf hin, beweisen sie es, ja sie stellen es klar heraus für den scharfen Verstand.

Das heisst also, dass diese Persönlichkeit befohlen hat, alles was sich in Seinem Eigentum ereignet, alle Amtshandlungen und alle Arbeiten aufzuzeichnen. Das bedeutet also, dass diese gewaltige Persönlichkeit alle Vorkommnisse registriert und Bilder davon macht. So ist also diese genaue Aufzeichnung und Registrierung sicherlich für eine Abrechnung vorgesehen. Wäre es nunmehr überhaupt möglich, dass ein König,der alles bewahrt, nicht die bedeutendsten Taten Seiner bedeutendsten Untertanen wahrnehmen, nicht mit ihnen abrechnen, ihnen nicht Lohn oder Strafe geben sollte, wo ER doch die unbedeutendsten Handlungen Seiner geringsten Untertanen nicht vernachlässigt? Aber es werden Taten gerade von bedeutendsten begangen, die eine Beleidigung für Ansehen und Würde dieser Persönlichkeit sind und die mit ihrer Barmherzigkeit unvereinbar sind. Hier werden sie nicht dafür bestraft. Das heisst also: das bleibt einem obersten Gerichtshof überlassen.

Achtes Bild: Komm, ich werde dir die Erlasse, die von Ihm kommen, vorlesen. Siehe, ER verspricht immer wieder und droht streng: "Ich werde euch von hier wegführen, zum Sitz meines Königreiches bringen, die Gehorsamen glücklich machen und die Widerstrebenden in den Kerker werfen. Ich werde diese vergängliche Stätte zerstören und ein anderes Reich mit ewigen Schlössern und Kerkern aufbauen." Und ER kann sogar sehr leicht erfüllen, was ER versprochen hat und was für Seine Untertanen von grosser Bedeutung ist. Würde ER Sein Versprechen nicht halten, wäre dies unvereinbar mit der Würde seiner Regierungsgewalt. Nun siehe also, du Verblendeter! Du bestätigst, dass deine Einbildung dir etwas vorlügt, dein Verstand dir etwas vorgaukelt, deine Seele sich selbst betrügt. Du bezeichnest eine Persönlichkeit als Lügner, die in keiner Weise zu Wortbruch und Widerspruch gezwungen sein kann, die in keiner Hinsicht mit Widersprüchlichkeit vereinbar ist und all deren offensichtliche Werke für Ihre Aufrichtigkeit Zeugnis geben. Gewiss verdienst du eine grosse Strafe. Du gleichst einem Reisenden, der seine Augen vor dem Licht der Sonne verschliesst und Stattdessen seine Phantasieprodukte betrachtet. In seiner Arroganz versucht er, einem Leuchtkäfer gleich mit dem Schein der Leuchte seines Verstandes seinen furchterlichen Weg zu erhellen. Da der König es aber nun schon einmal versprochen hat, wird ER es auch halten. Zudem ist die Erfüllung sehr leicht für Ihn und für uns wie für Ihn selbst und Sein Reich äusserst notwendig.

Das heisst, es gibt einen obersten Gerichtshof, eine höchste Glückseligkeit.

Neuntes Bild: Komm jetzt! Betrachte die führenden Persönlichkeiten dieser Ä mter und Gemeinden (Anm. 1).

Jeder von ihnen hat sein eigenes Telephon, über das er persönlich mit dem König sprechen kann. Ja manchmal treten sie sogar direkt in Seine Gegenwart. Höre, was sie sagen: Sie alle berichten übereinstimmend, das Seine Persönlichkeit einen überwältigenden und fürchterlichen Ort zu Lohn und Strafe vorbereitet hat. Seine Versprechungen sind unumstösslich und Seine Warnungen schrecklich. Zudem dulden Sein Ruhm und Seine Majestät in gar keiner Weise die Erniedrigung durch ein gebrochenes Versprechen. Sie sind jeder Beleidigung unzugänglich. Und weiter berichten alle Kundschafter übereinstimmend im Grade eines "Tevatür", d. h. mit der Überzeugungskraft der ganzen Gemeinde, dass Quelle und Sitz dieses gewaltigen Reiches aus den Spuren hier bereits sichtbar werden, in einem anderen Lande weitentfernt von hier liegen und dass die Gebäude hier, in diesem Lande der Prüfung, nur vorübergehend sind. Diese Stätten werden verwandelt und später in bleibende Schlösser umgestaltet werden. Denn dieses grossartige Reich, das keinen Untergang kennt und dessen Grösse wir aus seinen Spuren zu erahnen vermögen, kann nicht auf solchen unvollkommenen Werken aufgebaut sein und bleiben, die vergänglich, unbeständing, schwankend und wertlos sind, die sich ständig wandeln und niemals fortbestehen.

Das heisst also, es besteht fort auf grossartigen vollendeten und bleibenden Werken, die Seiner würdig, beständig, dauerhaft und fest verankert sind und keinen Untergang kennen. Das heisst, es gibt noch ein anderes Land, in das wir mitten hinein reisen werden.

Anm. l: Die Auslegungen, welche dieses Bild verdeutlichen sollen, kann man in der "Achten Wahrheit" finden. Zum Beispiel: mit den führenden Persönlichkeiten in unserem Beispiel meinen wir die Propheten und die Heiligen. Was aber das Telephon betrifft, so ist es eine Verbindung mit dem Herrn, die vom Herzen ausgeht. Dabei ist das Herz ein Spiegel der Offenbarung und das Empfangsorgan der Eingebungen. Das Herz ist Muschel und Hörer des Telephons.

Zehntes Bild: Komm, heute ist das königliche Naurosfest. (Anm.) Eine Verwandlung wird stattfinden und einzigartige Dinge sich ereignen. An diesem schönen Tag in diesem Frühling machen wir einen Ausflug in dieser grünen Wüste mit ihren schönen Blumen. Schau einmal! Auch andere Leute kommen hierher. Siehe, es geschieht Zauberei, alle Gebäude werden zerstört und nehmen neue Gestalt an. Schau, es geschieht ein Wunder. Die zerstörten Gebäude werden hier plötzlich wieder aufgebaut und somit ist diese öde Wüste geradezu eine belebte Stadt geworden. Sie zeigt gleich einer KinoLeinwand jede Stunde eine andere Welt und nimmt eine andere Gestalt an. Achte darauf, welch vollkommene Ordnung bei all diesem komplizierten, schnellen, häufigen, tatsächlichen Szenenwechsel herrscht, so dass ein jedes Ding an seinen eigenen Platz kommt. Die Szenenwechsel auf der Leinwand könnten auch nicht perfekter arrangiert sein. Millionen erfahrener Zauberer könnten dieses Kunststück nicht zustandebringen.

Anm.: Man kann die Auslegung dieses Bildes in der "Neunten Wahrheit" finden. Der Naurostag bezeichnet z. B. die Frühlingszeit. Eine grüne und blühende Wüste: das ist die Erde im Frühling. Der Wandel der Szenen und Schauspiele ist ein Hinweis auf die verschiedenen Arten von Pflanzen und Tieren, die der allmächtige, ruhmvolle Meister, der König und Schöpfer voll Schönheit vom Beginn des Frühlings bis zum Ende des Sommers in vollständiger Ordnung verwandelt und in völligem Erbarmen erneuert. ER schickt die verschiedenen Arten von Pflanzen und Tieren des Frühlings und des Sommers,von denen einige Menschen und Tiere zur Nahrung dienen.

Das heisst: der König, den wir nicht sehen können, vollbringt gewiss sehr grosse Wunder.

O du Verblendeter! Du fragst: "Wie kann dieses Riesenreich zerstört und an anderer Stätte wieder errichtet werden?"

Nun, du siehst hier, dass in jeder Stunde Umwälzungen und Verwandlungen gleich der Verwandlung des Landes geschehen, die dein Verstand nicht akzeptiert. Aus diesem Zu-einander-Kommen und Sich-von-einander-Trennen und all diesen Ereignissen lässt sich verstehen, dass mit all diesem raschen Zueinanderkommen und Sichvoneinandertrennen, Sichbilden und Wieder-zerstört-Werden ein anderer Zweck erstrebt wird. Für ein Beisammen-Sein von einer Stunde wird ein Aufwand von zehn Jahren gemacht. Das heisst also: diese Formen können nicht Selbstzweck sein. Sie sind ein Beispiel, ein Muster. Diese Persönlichkeit macht sie als ein Wunder, so dass ihre Bilder aufgenommen, zusammengestellt und die Ergebnisse aufbewahrt und auf gezeichnet werden, -wie ja schon auf dem Ubungs- und Prüfungsgelände alle Dinge aufgezeichnet und aufgeschrieben wurden. Das heisst also: auf dem grossenVersammlungsplatz werden die Handlungen darauf aufgebaut und fortgesetzt. Zudem werden sie ständig auf einer riesigen Messe ausgestellt. Das heisst also: diese vergänglichen, unbeständigen Formen bringen beständige Bilder und bleibende Früchte hervor.

Das bedeutet, das diese Vorführungen und Veranstaltungen einer höchsten Glückseligkeit, einem obersten Gerichtshof und erhabenen Zwecken dienen, die wir nicht kennen...

Elftes Bild: Nun komm, mein hartnäckiger Freund! Steigen wir in ein Flugzeug..das nach Osten oder Westen fliegt d. h. sich in die Vergangenheit oder die Zukunft bewegt. Sehen wir, welche Wunder diese wunderwirkende Persönlichkeit an anderen Orten vollbringt. Sieh also, wie sich die gleichen Merkwürdigkeiten, die wir in den Wohnungen, Plätzen und auf den Messen gesehen haben, überall finden. Sie unterscheiden sich voneinander lediglich in ihrer künstlerischen Gestaltung. Doch beachte wohl, welch tiefe Weisheit sich in der Ordnung, welch offensichtliche Zeichen von Mitleid, welche Zeichen einer hohen Stufe der Gerechtigkeit,welche Früchte einer derart umfassenden Barmherzigkeit in diesen vorübergehenden Wohnungen, den vergänglichen Stätten, den unbeständigen Messen sichtbar wird. Jedermann, der nicht ohne Einsicht ist, wird gewiss verstehen, dass eine vollkommenere Weisheit als die Seine, ein Mitleid, wunderbarer als das Seine, eine umfassendere Barmherzigkeit als die Seine, eine Gerechtigkeit noch ruhmreicher als die Seine nicht sein kann und nicht vorstellbar ist. Nehmen wir einmal an, es gäbe - wie du dir einbildest-im Lande Seines Königtums keine dauerhaften Unterkünfte, keine erhabenen Stätten, keine festen Aufenthaltsorte, keine bleibenden Wohnungen, keine sesshaften Bewohner, keine glücklichen Untertanen, dann ist klar, dass dieses unbeständige Reich nicht eine solche Weisheit, ein solches Mitleid und Erbarmen, eine solche Gerechtigkeit zeigen könnte. Um diese Realitäten aufzuzeigen, müsste ein anderer Platz gefunden werden, da man sonst die vor unseren Augen liegende Weisheit leugnen, das Mitleid, das wir doch bezeugen, leugnen, diese Barmherzigkeit, die wir doch sehen, leugnen, diese Gerechtigkeit, deren so kräftige Spuren und Zeichen doch ofiensichtlich sind, leugnen müsste. Das aber wäre, als wollten wir am hellichten Tage die Sonne verleugnen, deren Strahlen wir doch sehen. Zudem müssten wir dann den Herren all dessen, was er in Weisheit getan, in Freigebigkeit geschaffen, in Barmherzigkeit geschenkt hat - möge Gott uns davor bewahren und behüten! - als einen primitiven Spieler oder grausamen Tyrannen ansehen. Das aber wäre eine Umkehr der Realitäten in ihr Gegenteil. Denn die Verkehrung der Wahrheit ist nach der Ubereinstimmung aller Leute von Verstand unmöglich und unvorstellbar, ausgenommen für Sophisten, die in ihrer Torheit alle Dinge leugnen.

Das heisst also: es gibt noch einen anderen als diesen Ort. Es muss dort einen obersten Gerichtshof, einen Ort höchster Gerechtigkeit und zugleich überwältigender Grosszügigkeit geben, so dass diese Barmherzigkeit, Weisheit, das Mitleid und die Gerechtigkeit vollendet in Erscheinung treten können.

Zwölftes Bild: Komm, wir kehren jetzt zurück! Wir wollen mit den Präsidenten und Offizieren darüber sprechen und ihre Ausrüstungen untersuchen, ob diese Ausrüstungen ihnen nur für eine kurze Frist, um an diesem Orte auszuharren, gegeben wurden. Oder wurde sie ihnen gegeben, um sich damit ein langes glückseliges Leben an einem anderen Ort zu erwerben? Lasst uns einmal sehen. Wir können nicht jedermann und seine Ausrüstung untersuchen. Aber wir wollen eine Stichprobe machen und den Ausweis und das Soldbuch dieses Offiziers betrachten. In seinem Soldbuch sind sein Rang und Sold, seine Aufgaben, sein Kontostand und die Anweisungen für sein Verhalten eingetragen. Sein Rang kann ihm nicht nur für ein paar Tage, sondern, muss ihm für sehr lange Zeit verliehen worden sein. Ausserdem steht noch geschrieben: "Sie werden Ihren Sold an einem bestimmten Tage aus der königlichen Privatschatulle ausbezahlt bekommen. Aber dieser Tag wird erst nach langer Zeit und erst nach Verlassen des Ortes erscheinen. Was seine Aufgabe betrifft, so wurde sie ihm sicherlich nicht nur um dieses vergänglichen Orteswillen übertragen, sondern um dadurch eine immerwährende Glückseligkeit in der Nähe des Königs zu erwerben. Und auch sein Konto wurde ihm nicht eröffnet, um davon ein paar Tage in dieser Herberge zu verbringen, vielmehr nur um eines langen glückseligen Lebenswillen. Auch aus seinen Anweisungen geht klar und einwandfrei hervor, dass der Inhaber dieses Soldbuches für einen anderen Ort vorgesehen, ist, für eine andere Welt arbeitet. Sieh dir Ausweis und Soldbuch an! In ihnen sind Gebrauchsanweisungen und Verantwortlichkeit für Waffen und Ausrüstung eingetragen. Gäbe es also nicht noch eine andere, erhabene, bleibende Stätte,als nur diesen Ort hier, dann wäre ein solch definitiver Ausweis und ein solch unanfechtbares Soldbuch ganz und gar ohne Sinn. Zudem würde dieser ehrenwerte Offizier, dieser geachtete Kommandant, dieser angesehene Präsident tiefer sinken als alle Bewohner, unglücklicher werden als sie alle, elender, armseliger, würdeloser, erbärmlicher und beklagenswerter als ein jeder von ihnen. Vergleiche dies mit den übrigen Gegebenheiten! Was immer du betrachten mögest: das alles bezeugt, dass es nach diesem Vergänglichen (=fani) ein Ewiges (=baki) gibt... Oh mein Freund! Dieses vergängliche Reich gleicht einem Acker. Es ist ein Übungsgelände, ein Marktplatz. Dem folgt sicherlich ein oberster Gerichtshof, eine höchste Glückseligkeit. Wenn du das leugnest, dann bist du gezwungen, auch alle Ausweise, Soldbücher, Ausrüstungen, Anweisungen, ja sogar die ganze Ordnung in diesem Lande, ja die Regierung selbst zu leugnen und es wird notwendig, zu bestreiten, dass alle diese Massnahmen tatsächlich durchgeführt worden sind. Dann aber wird man dich nicht mehr länger einen Menschen nennen können, der über ein Bewusstsein verfügt. Du wirst noch weniger Verstand besitzen als die Sophisten...

Du darfst nicht denken, dass die Beweise für die Verwandlung des Reiches auf diese

"Zwölf Bilder" beschränkt seien. Im Gegenteil, es gibt unbegrenzt viele, unzählige Anzeichen, ja Beweise dafür, dass dieses unbeständige, sich ständig verändernde Reich in ein Reich umgewandelt werden wird, das keinen Untergang und keinen Wechsel kennt. Zudem gibt es unbegrenzt viele, zahllose Hinweise und Anzeichen dafür, dass diese Einwohner aus diesen Behelfsunterkünften hinweggenommen und zum Sitz des immerwährenden Königreiches entsandt werden.

Komm nun, ich werde dir noch ein besonders beweiskräftiges Zeugnis dafür zeigen, eines, das noch überzeugender ist, als diese

"Zwölf Bilder"!

Komm also nun und siehe: inmitten seiner gewaltigen Gemeinde, die wir von weitem sehen können, hält jener höchste Botschafter, den wir schon zuvor - geschmückt mit einem grossen Orden - auf der Insel gesehen hatten, eine Ansprache. Gehen wir hin und hören wir ihm zu!Siehe, dieser glanzvolle oberste Botschafter verkündet den Bewohnern einen höchsten königlichen Erlass. Du siehst ihn dort oben aufgehängt. Er sagt unter anderem etwa folgendes: "Seid bereit! Ihr werdet in ein anderes, ein bleibendes Reich hinübergehen, ein Land, im Vergleich zu dem dieses Land hier wie ein Gefängnis ist. Ihr werdet zum Sitz des Reiches unseres Königs gehen, Seine Barmherzigkeit und all Seine Güte erfahren, wenn ihr diesen Erlass hört und ihn bestens befolgt... Rebelliert ihr aber dagegen und wollt ihr nicht hören, dann werdet ihr in furchtbare Kerker geworfen." Du siehst auch, dass in diesem grossen Erlass ein Siegel von solch einer Vollendung angebracht ist, dass es auf gar keine Weise möglich ist, es nachzuahmen. Jedermann, ausser so Verblendeten wie du, weiss mit Sicherheit, dass dieser Erlass der Erlass des Königs ist und jedermann, ausser einem Blinden wie du erkennt ganz klar, dass dieser glanzvolle oberste Botschafter, der solche Auszeichnungen trägt, des Königs oberster Befehlshaber ist.

Jetzt also,mein Freund, bist du an der Reihe, zu reden! Sage nun, was du zu sagen hast!

-Was kann ich denn sagen? Kann man dagegen denn noch etwas einwenden? Kann man denn am hellichten Tage noch ein Wort gegen die Sonne richten? Ich kann nur noch sagen: El-hamdu li'llah! Dank sei hunderttausend Mal dafür, dass ich aus der Knechtschaft meiner Träume und Neigungen, von Lust und Laune errettet wurde, vor ewigem Gefängnis und Kerker bewahrt blieb.

Ich bin zu dem Glauben gelangt, dass es über dieses Tahuwabohu von Notunterkünften hinaus einen Ort der Glückseligkeit in königlicher Nähe gibt, für den wir auch vorherbestimmt sind..."

Siehe, nun ist dieses Gleichnis, welches beinhaltet und anspielt auf eine letzte Versammlung und die Auferstehung, vollendet. Nun wollen wir zu der erhabenen Wahrheit hinüberschreiten. Allah verleihe uns dazu Erfolg! Jetzt werden wir den vorangegangenen

"Zwölf Bildern" entsprechend "Zwölf einander stützende Wahrheiten" behandeln. Wir beginnen mit einer Einführung.

 

 

EINFÜHRUNG

Wir beziehen uns hier auf einige Bemerkungen, die wir bereits an anderen Stellen erklärt haben, nämlich im 22., 19. und 26. Wort.

Erste Anmerkung: Der Verblendete in unserem vorigen Gleichnis und sein vertraunswürdiger Gefährte entsprechen in der Realität den drei folgenden Paaren:

Erstens: meiner eigensinnigen Seele (nefsi emmare) und meinem Herzen

Zweitens: einem Adepten der Philosophie und einem Jünger des weisen Qurans

Drittens: der Gemeinschaft des Islam und der Leute des Unglaubens

Der furchtbare Irrtum der Adapten der Philosophie, der Leute des Unglaubens und der triebverhafteten Seele besteht darin, dass sie Gott den Gerechten nicht anerkennen wollen. So wie in dem Gleichnis der vertrauenswürdige Mann gesagt hat: "Ein Buchstabe kann nicht sein, ohne den, der ihn schreibt und ein Gesetz kann nicht sein ohne den,"der es durchführt, , so sagen auch wir: So wie ein Buch, besonders solch ein Buch, in dem eine winzige Feder in jedes Wort ein Buch hineingeschrieben hat, ein feiner Stift in jeden Buchstaben eine vollendete Kasside (Dichtung) hineingeschrieben hat, ohne Schreiber ganz und gar unmöglich wäre, so ist es auch eine unvorstellbare Unmöglichkeit, dass diese Schöpfung ohne Designer sein sollte. Denn dieser Kosmos ist ein solches Buch, das auf jeder Seite viele Bücher in sich enthält, ja sogar jedes Wort umfasst ein Buch, jeder Buchstabe enthält eine Kasside. Das Antlitz der Erde ist eine Seite. Wie viele Bücher umfasst es! Ein Baum ist ein Wort. Wie viele Seiten enthält es! Eine Frucht ist ein Buchstabe. Ein Kern ist ein Punkt. Dieser Punkt umfasst das Programm, das Inhaltsverzeichnis für einen riesigen Baum. Nun aber kann ein solches Buch nur ein Ornament sein, das mit dem Pinsel der göttlichen Allmacht gemalt wurde, einer Majestät und Schönheit (Celal ve Cemal), einer unendlichen Macht und Weisheit besitzt. Das heisst, dass man glauben muss, nachdem man die Welt betrachtet und verstanden hat, es sei denn, dass man vom Irrtum berauscht sei... In ähnlicher Weise kann kein Haus ohne Baumeister entstanden sein, besonders ein Haus, das mit solchen wunderbaren Kunstwerken,staunenswerten Ornamenten, einzigartigen Verzierungen ausgestattet wurde und besonders dann, wenn in jedem Stein so viel Kunstfertigkeit enthalten ist, wie in einem ganzen Schloss. Kein vernünftiger Mensch kann akzeptieren, dass es ohne Baumeister entstanden sein sollte. Es erfordert einen sehr geschickten Künstler. Mehr noch: in diesem Schlosse werden jede Stunde, wie auf der Leinwand eines Kinos in schönster Ordnung veritable Wohnstätten gebildet und wieder ausgewechselt, so wie man ein Kleid wechselt, ja sogar innerhalb jeder Szene dieser Wirklichkeit werden zahllose winzige Wohnstätten ins Dasein gerufen. Genau so erfordert auch dieses Universum einen allwissenden, allweisen und allmächtigen Baumeister. Denn dieses grandiose Universum ist ein solches Schloss, in dem Sonne und Mond die Lampen, und die Sterne die Kerzen sind, die Zeit aber ein Seil oder eine Spule, durch die der königliche Baumeister in jedem Jahr eine andere Welt zur Aufführung bringt. In dieser so vorgeführten Welt erneuert ER die Bilder wohlgeordnet auf dreihundersechzig Arten. In schönster Ordnung und Weisheit wechselt ER sie. ER hat das Antlitz der Erde zu einem Gabentisch gemacht, den ER in jedem Frühling mit dreihunderttausend Arten seiner Geschöpfe deckt. ER überhäuft ihn mit Gnadengaben ohne Zahl und Mass. Dies geschieht in der Weise, dass sie sich, obwohl voll und ganz und gar untereinander und miteinander vermischt, doch wieder bis hin zur aller letzten Stufe voneinander trennen. Zieht man nun auch noch andere Gesichtspunkte zum Vergleich heran, wie kann man dann noch den Baumeister eines solchen Schlosses unbeachtet lassen? Was wäre das zudem für ein höchst sonderbares und törichtes Geschwätz, wollte man mitten an einem wolkenlosen Tage die Sonne verleugnen, während sich doch der Sonnenschein im Meere spiegelt und man in jedem Tropfen seine Reflektierungen beobachten kann? Denn wollte man diese eine einzige Sonne verleugnen und ihre Existenz bestreiten, dann müsste man entsprechend der Fülle der Tropfen, der Menge der Bläschen, der Zahl der Teilchen ebenso viele kleine reale und originäre Sonnen annehmen. Wollte man aber von der Notwendigkeit ausgehen, anzunehmen, dass sich eine Riesensonne real in einem Stäubchen (in dem doch nicht mehr als ein Stäubchen Platz hat!) zusammengequetscht befände, so wäre das ebenso, als wollte man angesichts dieser Ordnung in der Natur, die sich ständig mit den Jahreszeiten in Weisheit verwandelt und reibunglslos erneuert, nicht bestätigen, dass da ein Schöpfer ist, dessen Attribute Majestät und Vollkommenheit sind. Und das wäre eine noch üblere Torheit von einem Irrtum und das Geschwätz eines Wahnsinnigen. Denn dann müsste man ja in jedem Ding, ja in jedem Stäubchen eine absolute Gottheit anerkennen. Denn es ist z. B. möglich, das ein Atom aus der Luft in jede Blume, jede Frucht, jedes Blatt eintreten und dort wirken kann. Wäre also dieses Atom nicht beauftrag worden, dann müsste es selbst Ablauf, Form und Aufbau all der Arten kennen, in die es eintreten will, um dort zu wirken. Um aber so wirken zu können, müsste es über ein umfassendes Wissen verfügen und Macht besitzen. So ist z. B. auch noch das kleinste Stückchen Erde dazu in der Lage, den verschiedensten Samenkernen und Körnern Wiege und Ursprung zu sein. Wäre es nicht dazu beauftragt, dann müsste es so viele Werkzeuge und Maschinen in sich enthalten, wie es Gräser und Bäume gibt. Oder aber man müsste ihm die Macht geben, den gesamten Ablauf zu kennen und zu gestalten und die Kunstfertigkeit, um alle die Formen zu wissen, mit denen sie bekleidet werden und diese zu weben. Man mag diese Gleichnisse auch noch auf andere Daseinsbereiche anwenden! Am Ende wirst du verstehen, dass in jedem Ding ganz offensichtlich viele Beweise für die Einheit Gottes (Vahdaniyet) enthalten sind. Ja, es ist dies ein Werk, das dem Schöpfer aller Dinge eigen ist: aus allen Dingen ein einziges zu machen und aus einem einzigen Ding alle zu machen. Beachte den berühmten königlichen Ausspruch:

Das heisst: Wer nicht dazu bereit ist, die Einheit und Einzigartigkeit Gottes (Vahid-i Ehad) anzuerkennen, muss notwendigerweise so viele Götter anerkennen,wie es Geschöpfe gibt.

Zweite Anmerkung: In unserem Gleichnis war von einem höchsten Botschafter die Rede und es wurde gesagt, dass jeder, der nicht gerade blind ist und seine Auszeichnungen gesehen hat, verstehen wird, dass diese Persönlichkeit auf Befehl des Königs handelt und von diesem persönlich beauftragt ist. Dieser höchste Botschafter ist nun der höchst ehrenwerte Gesandte (Gottes), mit dem der Friede und Sein Segen sei. Ja,in diesem so herrlich geschmückten Universum ist ein höchst ehrenwerter Gesandter seines Heiligen Baumeisters in gleicher Weise überaus notwendig, wie die Sonne, damit wir leben können, notwendiger Weise Licht und Wärme ausstrahlt. Denn so wie es der Sonne unmöglich ist, keine Strahlen auszusenden, ist es ebenso der Gottheit unmöglich, sich zu offenbaren, ohne Gesandte auszusenden.

Ja wäre es überhaupt möglich, dass eine Schönheit von solcher Vollendung nicht den Wunsch hätte, sich durch einen Mittler, der Ihn vorstellt und beschreibt, zu offenbaren?

Ja wäre es überhaupt möglich, dass eine so vollendete Kunstfertigkeit von einer derartigen Schönheit nicht durch einen Ausrufer, der die Blicke aller darauf lenkt, nach einem Ausdruck sucht?

 

Oder wäre es überhaupt möglich, dass ein allgemeines Königtum mit einem universalen Herrschaftsbereich nicht das Bestreben hätte, Seine Einheit und Unabhängigkeit auf allen Ebenen, im Grossen wie im Kleinen, durch einen zweiflügeligen (d. h. einen Kenner der Scholastik wie auch der Mystik, d.Ü.) Abgeordneten bekannt zu machen? Denn so wie diese Persönlichkeit hinsichtlich ihrer universellen Anbetung und ihres allumfassenden Dienstes der Vertreter aller Ebenen vor dem Throne Gottes ist, so ist er auch der Beauftragte am Throne Gottes auf Grund seiner Nähe und seiner Sendung für alle Ebenen.

 

Ja wäre es überhaupt möglich, dass eine Persönlichkeit von einer derartigen essentiellen Schönheit nicht darum bemüht wäre, die Werte und Feinheiten Seiner Schönheit in allen Spiegeln durch Seinen geliebten Propheten zu sehen und zeigen zu lassen? Er ist dadurch zugleich liebenswert, dass er sich Seine Liebe erwirbt durch den Dienst und die Anbetung und Ihm zum Spiegel wird, als auch zugleich Sein Prophet zu sein, welcher bewirkt, dass IHN die Geschöpfe lieben, denen er die Schönheit (=cemal) Seiner Namen aufzeigt.

Ja wäre es überhaupt möglich, dass der Besitzer der Schatzkammern, gefüllt mit erstaunlichen Wunderwerken von einzigartigem Wert und grosser Seltenheit etwa nicht wünschte und wollte, dass deren verborgen gebliebene Vollkommenheit durch einen kundigen Juwelenhändler, der ihren Wert kennt und zu beschreiben vermag, dem Volke zugänglich gemacht und über ihren Häuptern gezeigt werde?

Oder wäre es überhaupt möglich, dass der, welcher den Kosmos mit Geschöpfen ausgestattet hat, welche die Vollkommenheit all Seiner Namen zum Ausdruck bringen, und ihn gleich einem Schloss mit seltenen, fein gearbeiteten Kunstwerken geschmückt hat, keinen Führer und Lehrer dafür ernannt haben sollte?

Ja wäre es überhaupt möglich, dass der Herr des Alls die tiefe, verborgene Wahrheit hinter der Frage, was Sinn und Zweck dieses sich ständig wandelnden Universums sei und das Rätsel der drei schwierigen Fragen nach dem "Woher? Wohin?" und "Was bist du?" nicht durch einen Botschafter lösen sollte?

Wäre es denn überhaupt möglich, das dieser Baumeister in Seiner göttlichen Majestät sich den bewusstseinstragenden Geschöpfen in Seinen schönen Kunstwerken zu erkennen gibt und möchte, dass sie Ihn für Seine kostbaren Gnadengaben in Dankbarkeit lieben; im Gegensatz dazu Seinen Wunsch und Willen nicht durch einen Botschafter Seinen bewusstseinstragenden Geschöpfen mitteilen sollte?

Ja wäre es überhaupt möglich, dass ER, der das Menschengeschlecht so erschaffen hat, dass es in das Bewusstsein einer Vielheit gefallen, aber auch mit der Fähigkeit ausgestattet ist, (Gott) stellvertretend für die ganze Schöpfung, zu dienen und Ihn anzubeten, es nicht gewollt haben sollte, dass es unter der Führung eines Lehrers sein Antlitz von der Vielheit zur Einheit wende?

Es gibt noch viele andere Aufgaben des Prophetentums, deren jede einzelne ein absolut sicherer Beweis dafür ist, dass die Gottheit nicht ohne das Amt des Propheten sein kann.

Ist aber nun in der Welt ausser Muhammed aus Arabien, dem Gesegneten, über dem der Friede sei, etwa noch ein anderer erschienen, der den obenerwähnten Eigenschaften und Aufgaben besser entsprochen und sie mehr als er in sich vereinigt hätte? Hat etwa die Zeit je einen hervorgebracht, der für das Amt des Propheten und seinen Auftrag, zu verkündigen, würdiger und geeigneter gewesen wäre? Nein, ganz gewiss nicht! Ja, er ist sogar das Haupt aller Gesandten (Gottes), der Imam aller Propheten, der erste Kenner aller Wahrheit (Asfýya), der Nächste aller Nahen, der Vornehmste unter allen Geschöpfen und König der Lehrer (murschidlerin sultaný). Unter den nahezu tausend Wundern, welche Forscher (ehli tahkikat bestätigt haben: z. B. die Spaltung des Mondes oder das Wasser, das aus seinen Fingern hervorströmte, Beweise seines Prophetentums ohne Zahl und Grenze, genügt der ruhmreiche Quran, als ein Ozean der Wahrheit und ein Wunder in vierzigfacher Hinsicht, das grösste aller Wunder, um sein Prophetentum sonnenklar aufzuzeigen. Weil wir aber schon in anderen Abhandlungen, besonders im "25. Wort" die etwa vierzig Aspekte des Qurans als eines Wunders besprochen haben, können wir uns hier kurz fassen.

Dritte Anmerkung: Man soll nicht denken, dieser winzig kleine Mensch sei zu unbedeutend, als dass diese gewaltige Welt um der Abrechnung für seine Handlungen willen geschlossen werde. Sollte ein anderer Bereich eröffnet werden? Denn dieser winzig kleine Mensch hat eine grosse Bedeutung,weil er aufgrund seiner umfassenden Naturanlagen Meister allen Seins ist und der öffentliche Ausrufer des Gottesreiches und stellvertretend für die ganze Schöpfung als Diener und Anbeter (Gottes) in Erscheinung tritt. Zudem sollte man auch nicht denken, wie kann er in diesem so kurzen Leben eine ewige Strafe verdienen? Denn Unglaube (kufr) setzt das Universum, das in seinem Grad und Wert dem Briefe Seines Souveräns (mektubat-ý Samedaniyye) gleicht, auf die Stufe einer Sinn- und Zwecklosigkeit herab, ist eine Beleidigung des ganzen Universums, verleugnet alle die heiligen Namen Gottes, deren Erscheinungen als der Schmuck allen Seins angesehen werden können und weist sie zurück, ist eine Lüge gegenüber allen Belegen, welche die Wahrhaftigkeit und Auf richtigkeit Gottes des Gerechten aufzeigen und deshalb ein grenzenloses Verbrechen. Ein grenzenloses Verbrechen erfordert aber eine grenzenlose Strafe...

Vierte Anmerkung: So wie wir an Hand unseres Gleichnisses in Zwölf Bildern gesehen haben, dass es keineswegs unmöglich ist, dass dieser König, der sich in diesem Reich befindet, das eher einer Notunterkunft gleicht, noch ein anderes Reich besitzt, das beständig ist und Seiner Majestät entspricht und die Basis Seines gewaltigen Reiches darstellt, so ist es auch keineswegs unmöglich, dass der Schöpfer, der bleibt (el-baqy) und eine Welt geschaffen hat, die vergeht (fani), nicht auch eine Welt schaffen sollte, die ewig ist? Zudem ist es nicht möglich, dass dieser ewige Schöpfer eines so einzigartigen und doch vergänglichen Universums, dieses erschaffen hat und ein anderes, beständiges und ewiges Universum nicht schaffen sollte? Zudem ist es unmöglich, dass der Schöpfer, der allweise, allmächtig und allbarmherzig ist und das Diesseits (dünya) wie ein Messegelände, einen Prüfungsort, ein Ackerfeld geschaffen hat, nicht ein Jenseits (dar-ý ahiret) erschaffen hat, in dem sich alle Seine Ziele manifestieren? Man gelangt zu dieser Wahrheit durch "Zwölf Tore". In den nun folgenden "Zwölf Wahrheiten" werden diese zwölf Tore geöffnet. Wir beginnen mit der kürzesten und einfachsten von ihnen:

Erste Wahrheit: Das Tor zum Königreich und Seiner königlichen Herrschaft ist die Manifestation Seines Namens"Herr (Rabb)". Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass die Herrschaft Gottes, die sich in ihrer tatsächlichen Erscheinung und ihrem Reich manifestiert, die, um ihre Vollendung zu zeigen, eine solche Welt zu höchst erhabenen Zielen und Zwecken für die Gläubigen, die ihren Zielen und Zwecken im Glauben, im Dienst und in der Anbetung entsprechen, geschaffen hat keine Belohnung bereit hielte? Und sollte ER jene Irregeleiteten, die Seine Zielsetzungen ablehnen und geringschätzen, nicht dafür bestrafen?

Zweite Wahrheit: Das Tor zu Freigebigkeit und Barmherzigkeit ist die Manifestation Seines Namens "Freigebiger (Kerim) und "Barmherziger (Rahim)".

Wäre es denn überhaupt möglich, dass der Herr dieser Welt, der sich in Seinen Werken als der, welcher "ohne Mass" Freigebigkeit und Barmherzigkeit besitzt,unendliche Ehre und grenzenlosen Ruhm, keine Belohnung bereit hielte, die Seiner Freigebigkeit und Barmherzigkeit würdig ist, und keine Bestrafung, die Seinem Ruhm und Seiner Ehre entspricht? Ja, wenn man den Lauf der Welt betrachtet, dann sieht man, dass allen Lebewesen, von den schwächsten und ärmsten angefangen bis zu den stärksten, die Versorgung gegeben wird, die ihnen entspricht. (Anm.)

Die schwächsten und ärmsten werden bestens versorgt. Jeder Leidtragende erfährt von unerwarteter Seite Heilung. Ihm wird mit so erhabener Freigebigkeit der Tisch bereitet und Gastfreundschafterwiesen, dass darin ganz offensichtlich eine Hand von grenzenloser Freigebigkeit sichtbar wird. So sind zum Beispiel alle Bäume im Frühling, den Paradieses-Jungfrauen gleich wie in Seidenbrokat gekleidet, mit ihren Blumen und Früchten wie mit Juwelen geschmückt und dienen uns mit ihren Zweigen wie mit feinen Händen. Sie bieten uns verschiedenartige wohlschmeckende Früchte gleich Kunstwerken an. Zudem emfangen wir aus der Hand der Biene mit ihrem giftigen Stachel einen gesunden und wohlschmeckenden Honig. Wir werden in die schönsten und seidenweichsten Kleider gehüllt aus der Hand eines Insekts, das keine Hände hat. Und auch eine grosse Schatzkammer des Erbarmens ist in einem winzigen Kern für uns aufbewahrt.

Anm.: Der erlaubte Unterhalt wird nicht aufgrund einer Befähigung erworben, sondern aufgrund einer Bedürftigkeit gegeben. Der absolut sichere Beweis dafür besteht darin, dass Säuglinge in ihrer Unfähigkeit bestens versorgt werden, während Wölfe trotz ihrer Zahl und Stärke um ihren Unterhalt,leiden, ja sogar die Fische in ihrem Mangel an Intelligenz fett werden, während der schlaue und listige Fuchs und der Affe in ihrer Sorge um des Leibes Nahrung mager bleiben. Das heisst also, dass sich Unterhalt einerseits, Befähigung und Handlungsfreiheit andererseits zueinander reziprok verhalten. Je mehr einer auf seine Fähigkeit und seine Freiheit zu handeln vertraut, um so mehr Sorge um seinen Unterhalt wird er haben...

 

Es versteht sich von selbst, welch eine Freigebigkeit in Schönheit und welch ein einfühlsames Erbarmen in diesen Werken zum Ausdruck kommt. Zudem erfüllen -den Menschen und manche wilde Tiere ausgenommen - die Sonne, der Mond und die Erde und so auch alle Geschöpfe bis hin zu den kleinsten ihre Pflicht mit ganzer Auf merksamkeit, überschreiten ihre Grenzen nicht einen Fingerbreit und handeln so in einem sie alle umfasseden Gehorsam gegenüber einer gewaltigen Autorität. Dies zeigt, dass sie auf Befehl eines Herrn (Sahib) von hoher Majestät und Würde tätig werden. Es ist ebenso offensichtlich, dass die Art, in der alle Mütter, sowohl in der Pflanzen-wie in der Tier-, als auch in der Menschenwelt ihre schwachen kleinen Kinder in ihrer erbarmenden Zärtlichkeit mit einer so wohl ausgewogenen Nahrung, wie z. B. der Milch, aufziehen, eine Manifestation jenes Erbarmens ist, wie sie in ihrer ganzen Weite und Breite zur Auswirkung kommt. (Anm.)

Anm.: Die Tatsache, dass ein hungriger Löwe sein schwaches Junges vor sich selbst bevorzugt und das Stück Fleisch, das er hat, nicht selbst frisst, sondern es seinem Jungen gibt, dass ein furchtsames Huhn einen Hund oder Löwen angreifen wird, um seine Küken zu verteidigen, dass ein Feigenbaum, der sich selbst vom Schlamm ernährt, seinen Früchten , die seine Jungen sind, reine Milch gibt, zeigt offensichtlich jedem, der nicht blind ist, dass sie dies im Namen einer Persönlichkeit tun, die unendlich barmherzig, freigebig und voll zärtlicher Liebe ist. Und weiter zeigt die Tatsache, dass Geschöpfe ohne ein klares Bewusstsein, wie Pflanzen und Tiere in einem solchen Grade bewusst und weise handeln, dass es unbedingt jemanden geben muss, der sie - allwissend und allweise - dazu bewegt und in dessen Namen sie tätig werden...

Dieser Weltenlenker verfügt also, wie wir oben gesehen haben, über eine Freigebigkeit ohne Grenzen und ebenso über ein Erbarmen ohne Mass und Seine Majestät und Ehre sind in hohem Grade erhaben. Eine so hohe und erhabene Majestät und Ehre aber erfordert, dass die Unbotmässigen bestraft werden. Eine Freigebigkeit (Kerem) ohne alle Grenzen aber verlangt danach, sich in einer Gastfreiheit (ikram) ohne Mass zum Ausdruck zu bringen. Grenzenloses Erbarmen aber verlangt danach, sich in Wohltaten zu äussern und einer Güte, die dessen würdig ist. Doch in dieser vergänglichen Welt und in dieser kurzen Lebenszeit kann - gleich einem Tropfen aus dem Meer - nur eine Winzigkeit unter Millionen Winzigkeiten einen Ausdruck finden und sich manifestieren. Das heisst also, dass es einen Ort der Glückseligkeit geben muss, der dieser Freigebigkeit würdig ist und dieser Barmherzigkeit enstspricht. Man müsste sonst die Existenz dieser Barmherzigkeit, die wir erfahren haben, leugnen. Das aber wäre so, also wollte man die Existenz der Sonne leugnen, die den Tag mit ihrem Licht erfüllt. Denn Tod ohne Wiederkehr verwandelt Liebe in Leid, Mitgefühl in Hass, ein Gnadengeschenk in einen Racheakt, macht den Verstand zu einem Werkzeug des Unheils und verkehrt Wohlgefallen in Qual, so dass (göttliches) Erbarmen auf hören müsste, Realität zu sein. Ausserdem muss es einen Ort der Strafe geben, welcher der Majestät und Würde (Gottes) entspricht. Denn meistens verharrt der Unterdrücker in seiner Würde und der Unterdrückte in seiner Erniedrigung, verlässt (diese Welt) und geht hinüber. (Ihre Angelegenheiten) bleiben also einem obersten Gerichtshof überlassen, werden vertagt, jedoch keineswegs übersehen. Dennoch kommt die Strafe manchmal auch schon in dieser Welt. Die Strafen, welche in den vergangenen Jahrhunderten die aufständischen und verstockten Völker getroffen haben, zeigen, dass der Mensch sich nicht selbst überlassen bleibt. Die Ehre und Majestät (Gottes) kann ihn jederzeit mit einer Ohrfeige treffen. Ist es denn überhaupt möglich, dass der Mensch, nachdem er inmitten allen Seins mit einem wichtigen Auftrag betraut, einer bedeutenden Fähigkeit ausgestattet worden ist und der Herr des Menschen sich ihm in so wohlgeordneten Kunstwerken zu erkennen gegeben hat, um für die wunderschönen Früchte Seines Erbarmens geliebt zu werden, der Mensch Ihn aber im Glauben nicht anerkennt und nicht in Dienst und Anbetung danach strebt, von Ihm geliebt zu werden... Wäre es dann möglich, dass er hier ungestraft bliebe? Wenn ER (der Herr) nun weiter in verschiedensten Gnadenerweisen Seine Liebe und Sein Erbarmen zeigt, der Mensch aber im Gegenteil Ihm nicht durch Dank und Lobpreis die Ehre erweist... wäre es den überhaupt möglich, dass er dafür unbestraft bliebe!? sich selbst überlassen bliebe!? Sollte der Herr des Ruhmes und der Ehre, diese Persönlichkeit voll Majestät etwa keinen Ort der Strafe bereitet haben?! Wäre es denn möglich, dass ER, sich nach der Überfülle Seiner Erbarmungen zu erkennen gegeben hat, denen, die Ihn dienend und anbetend lieben und danach streben, von Ihm geliebt zu werden, dass ER in Seinem Erbarmen denen, die Ihm in Dankbarkeit die Ehre erweisen, Seinen Gläubigen nicht eine Stätte ewiger Glückseligkeit schenken sollte?!

 

Dritte Wahrheit: Das Tor der Weisheit und Gerechtigkeit ist die Manifestation Seines Namens "Allweiser (Hakim)" und

"Allgerechter (Adil)". Ja ist es denn über haupt möglich (Anm.)

Anm.: "Ja ist es den überhaupt möglich?" Diese Frage wird sehr oft wiederholt, denn sie berührt ein bedeutsames Geheimnis. Dieses besteht darin, dass Unglaube und Irrtum aus etwas für unmöglich und unvorstellbar gehaltenes kommt und man es deshalb leugnet. Darum haben wir in unserer Abhandlung über die Auferstehung unwiderlegbar klar gestellt dass es auf dem Wege des Unglaubens und dem Pfade des Irrtums liegt, die Tatsachen für unmöglich die Wahrheit für unvorstellbar, unverständlich, schwer zugänglich, ja bis zur Unzumutbarkeit schwierig zu halten während es auf dem Wege des Glaubens und dem Pfade des Islam liegt, die Tatsachen als möglich, die Wahrheit als Verstandesgesmäss, leicht zugänglich und so offensichtlich zu erkennen, dass sie zur zwingenden Wahrheit wird.

Kurzum die Philosophen halten etwas für unmöglich und kommen so dazu, es zu leugnen. Im zehnten Wort haben wir mit diesem Ausdruck aufgezeigt, auf wessen Seite die Unmöglichkeit liegt. Es hat ihnen die Sprache verschlagen.,

dass eine Persönlichkeit von solcher Majestät, die das Reich Ihrer Herrschaft in allen Dingen von den Atomen bis zu den Sonnen in Weisheit und Ordnung, Gerechtigkeit und Ausgeglichenheit zeigt, Ihren Gläubigen, die unter Ihren Flügeln Zuflucht suchen und glaubend, anbetend und dienend zur Ubereinstimmung mit der Weisheit und Gerechtigkeit gelangen, nicht gastfreundlich entgegenkommen sollte? Und die Unbotmässigen, die in ihrem Unglauben und in ihrer Masslosigkeit aufstehen gegen Weisheit und Gerechtigkeit, nicht bestrafen sollte? Denn in dieser vergänglichen Welt wird unter den Menschen auch nicht der tausendste Teil dessen geübt, was der Weisheit und Gerechtigkeit entspräche. Dies wird vielmehr verschoben. Viele von denen, die auf Irrwegen gehen, erhalten nicht ihre Strafe und viele derer, die rechtgeleitet sind, sehen ihren Lohn nicht und gehen von dannen. Das heisst also, es erwartet sie ein oberster Gerichtshof, eine höchste Glückseligkeit. Ja, es ist offensichtlich so, dass die Persönlichkeit, welche diese Welt beherrscht, diese Tätigkeit mit einer grenzenlosen Weisheit versieht. ER verfolgt einen Sinn und Zweck in allen Dingen. Möchtest du einen Beweis dafür haben? Siehst du nicht, dass in allen Gliedern, Knochen, Adern, ja selbst in allen Zellen des menschlichen Körpers, überall und in jedem kleinsten Teilchen Zweckmässigkeit und Weisheit angestrebt wird, dass Weisheit und Zweckmässigkeit in manchen Organen so zahlreich wie die Früchte eines Baumes aufgezeigt werden und die Hand einer grenzenlosen Weisheit in ihnen tätig ist? Ausserdem zeigt die Kunstfertigkeit in jedem Ding, dass sich in ihm ein unendliches Mass an Ordnung findet. Man sieht, wie in ihm eine unendliche Weisheit am Werke ist.

In der Tat zeigt das in das winzige Samenkorn einer schönen Blume sorgfältig eingearbeitete Programm, der Arbeitsplan, die Lebensgeschichte, die Liste der Ausrüstungsgegenstände eines grossen Baumes, eingeschrieben mit dem unsichtbaren Stifte der göttlichen Vorsehung (kader) in einem winzigen Samenkern, die Spur einer Feder voll unendlicher Weisheit.

In der Tat zeigen Kunst und Schönheit, wie sie sich in so hohem Grade bei der Erschaffung eines jeden Dinges finden, in welchem Mass der weise Baumeister es damit ausgeschmückt hat. Und tatsächlich findet man in diesem so winzig kleinen Körper eines Menschen das Inhaltsverzeichnis des ganzen Universums, die Schlüssel zu den Schatzkammern der Barmherzigkeit und die Spiegel aller (göttlichen) Namen, was zeigt, wie grenzenlos diese Weisheit ist, der wir in Seinen schönen Künsten begegnen.

Ist es also nun überhaupt möglich, dass diese hochherrschaftliche Weisheit, die auf diese Art regiert,denjenigen, die im Glauben und im Gehorsam unter den Flügeln ihrer Herrschaft Zuflucht suchen,nicht gastfreundlich entgegen käme, sie nicht ewig gastfrei aufnehmen würde?

Und willst du noch einen Beweis dafür,dass alle Dinge in Gerechtigkeit und Ausgeglichenheit durchgefuhrt werden? Nun, die genaue Ausgewogenheit, das ihnen eigene Mass, nach dem jeder Körper aufgebaut wird und das allen Dingen Gestalt verleiht, alles an seinen besonderen Platz stellt, zeigt, mit welch unendlicher Gerechtigkeit und Ausgewogenheit alle Werke ausgeführt werden.

In ähnlicher Weise zeigt die Tatsache, dass jeder, der dazu berechtigt ist, entsprechend seinen Fähigkeiten erhält, was er benötigt, d.h. all das, was er in seinem Sein braucht, dass ihm in der besten für ihn passenden Form alles gegeben wird, was zur Erhaltung seines Daseins notwendig ist, die Hand einer grenzenlosen Gerechtigkeit.

Und wiederum zeigt die Tatsache, dass der, welcher danach fragt und darum eine Bitte äussert, sei es, dass sie sich in seinen Fähigkeiten äussert, oder in der Bedürftigkeit seiner Natur äussert oder in seiner Notlage zum Ausdruck kommt, stets eine Antwort erhält, in grenzenlosem Masse Weisheit und Gerechtigkeit.

Ist es denn nun überhaupt möglich, dass die Weisheit und Gerechtigkeit, die auch dem kleinsten Geschöpf auch noch in seinem geringsten Bedürfnis zu Hilfe eilt, den Menschen, als das grösste unter allen Geschöpfen, in seinem Verlangen nach Ewigkeit, welches sein grösstes Bedürfnis ist, unerfüllt lassen? Seinen Notschrei um Hilfe und seine wichtigste Frage ohne Antwort zu lassen?! Sollte diese Gerechtigkeit die Majestät Ihrer Herrschaft nicht dadurch schützen, dass sie das Recht Ihrer Diener und Anbeter verteidigt?! Denn der Mensch, der in dieser vergänglichen Welt ein kurzes Leben verbringt, erfährt die Realität einer solchen Gerechtigkeit nicht und kann sie auch gar nicht erfahren. Sie muss vielmehr einem obersten Gerichtshof überlassen bleiben. Denn die wahre Gerechtigkeit erfordert, dass dieser winzig kleine Mensch nicht entsprechend seiner Winzigkeit, sondern nach der Grösse seines Verbrechens, der Bedeutung seines Daseins und seiner gewaltigen Aufgabe Lohn und Strafe empfange. Denn in dieser vergänglichen, vorübergehenden Welt ist der Mensch, der für die Ewigkeit geschaffen ist, sehr weit davon entfernt, eine solche Gerechtigkeit und Weisheit zu erfahren.. In jedem Fall wird der Herr, dessen Schönheit sich manifestiert voll Majestät in Seiner Gerechtigkeit, der Herr, dessen Majestät sich manifestiert voll Schönheit in seiner Weisheit, eine immerwährende Hölle und ein ewiges Paradies haben.

Vierte Wahrheit: Das Tor zu unerschöpflicher Freigebigkeit und Schönheit ist die Manifestation Seiner Namen "Freigebiger in Vollkommenheit (Cevad)" und"Vollkommener in Schönheit (Cemil)". Ja ist es denn überhaupt möglich, dass eine unerschöpfliche Freigebigkeit und Offenheit, unauslotbarer Reichtum, endlose Schatzkammern, unsterbliche Schönheit ohne Beispiel, makellose immerwährende Vollkommenheit nicht nach solchen verlangte, die in ihrer Not dankbar sind und sich danach sehnen, in einem Hause der glückseligkeit ewig an einem Gastmahl teilnehmen zu dürfen und all dem, Spiegel und staunender Betrachter zu sein? In der Tat zeigt das Antlitz der Erde, geschmückt und ausgestattet mit so vielen Kunstwerken, dem Mond und der Sonne als Lampen darin, einem Tisch voller Gnadengaben, gedeckt mit den verschiedensten Speisen, Obstbäumen, deren jeder einer geöffneten Schale gleicht, die zu jeder Jahreszeit mehrmals nachgefüllt wird, eine unerschöpfliche Gastfreundschaft und Freigebigkeit... Eine solche unerschöpliche Gastfreundschaft und Freigebigkeit, diese endlosen Schatzkammern und eine solche Barmherzigkeit, erfordern ein Gastmahl in einem Hause der Glückseligkeit, das nicht nur ewig fortdauern sollte, sondern bei dem sich auch alles findet, was das Herz begehrt. Zudem erfordert es mit Bestimmtheit, dass diejenigen, die es geniessen, an diesem Orte der Glückseligkeit ewig bleiben und verweilen dürfen, wo weder Tod noch Trennung noch Trauer sein werden. Denn wie am Ende der Schmerzen die Freude steht, so ist auch das Ende der Freude ein Schmerz. Eine solche Gastfreundschaft duldet keinen Schmerz.

Das heisst, sie verlangt ein ewiges Paradies und darinnen diejenigen, die ewig ihrer bedürfen. Denn unendliche Gastfreundschaft und Freigebigkeit erfordert es, mit unendlichen Wohltaten zu beschenken. Mit unendlichen Wohltaten zu beschenken aber erfordert es, sie mit unendlicher Dankbarkeit in Empfang zu nehmen. Das wiederum verlangt nach dem fortdauernden Dasein der Person, welcher die Wohltaten erwiesen werden. So sollte das beständige Nehmen des einen, Dankesschuld und Verbundenheit für das beständige Geben des anderen hervorrufen. Im anderen Fall wäre es mit einer solchen Freigebigkeit und Gastfreundschaft unvereinbar, würden sie sich auf den vorübergehenden durch sein Enstchwinden bitter gewordenen Genuss eines ganz kurzen Augenblicks beschränken. Siehe dich zudem noch überall in der Welt um, wo Gottes Kunstwerke wie auf Messen ausgestellt sind.Achte auf die königlichen Bekanntmachungen, welch die Planzen und Tiere auf dem ganzen Erdball in Händen halten. (Anm.)

Anm.: An der Spitze eines knochentrockenen Baumes ein Stiel, dünn und fein wie ein Draht, eine Blume gleich einem Juwel oder eine Frucht, schön wie ein Schmuckstück: das ist sicherlich eine Bekanntmachung, aus der alle bewusstseintragenden Wesen die künstlerischen Schönheiten eines Meisters, eines Kunstverehrers, eines Wundertäters und Weisen ablesen können. Und das, was für die Pflanzen gilt, lässt sich in ähnlicher Weise auch auf die Tiere anwenden.

Und neige dein Ohr den Verkündigungen der Propheten und Heiligen über die Schönheiten der göttlichen Herrschaft, wie sie einstimmig die makellose Vollkommenheit des Künstlers in Seiner Majestät durch die Ausstellung Seiner wunderbaren Kunstwerke aufzeigen und verkündigen und so die Blicke aller darauf lenken. Daraus ergibt sich, dass der Baumeister dieser Welt von einer sehr bedeutsamen, staunenerregenden, verborgenen Vollkommenheit ist. ER möchte sie in diesen wunderbaren Kunstwerken zeigen. Denn diese geheime, makellose Vollkommenheit verlangt danach, sich vor denen zu manifestieren, die sie zu schätzen wissen und sich für sie begeistern können und die "maschaa'llah!" sagen, wenn sie sie schauen. Das Fortbestehen der Vollkommenheit aber verlangt danach, sich auch ständig zu manifestieren. Dies wiederum verlangt nach dem Fortleben derer, die das zu schätzen wissen und sich dafür begeistern können. In den Augen derer, für die es eine Begeisterung, aber kein Fortleben gibt, erlischt auch der Wert der Vollkommenheit. (Anm.l) Anm. l:Dafür gibt es ein Beispiel von sprichwörtlicher Bedeutung: Eine gefeierte Schönheit verwies einmal einen einfachen Mann, der sich in sie verliebt hatte, aus ihrer Gegenwart. Dieser sagte, um sich darüber hinwegzutrösten: "Puh, ist die aber hässlich!" Er verleugnete so ihre Schönheit.

Ähnlich erging es einmal einem Bären, der unter einem Weinstock mit köstlich süssen Trauben angelangt war. Er wollte von den Beeren essen, konnte aber nicht hinaufreichen. Da sagte er, um sich darüber hinwegzutrösten in seiner Bärensprache: "Sauer sind sie!" und ging brummend von dannen...

Und wiederum künden auch die Geschöpfe, die das Weltall bevölkern in ihrer wunderbaren Vollendung und ihrem strahlenden künstlerischen Schmuck, gleich wie das Licht von der Sonne kündet, den hohen Wert einer beispiellosen inneren Vollkommenheit, rufen die Tiefe einer unvergleichlichen, verborgenen Schönheit aus. (Anm. 2)

Anm. 2: Obwohl alles das, was erschaffen wurde, einem Spiegel gleich zu sein, wieder zerfällt und vergeht, finden wir dennoch an allem, was danach erschafften wird und im Antlitz aller Geschöpfe wieder die Manifestation derselben Schönheit (cemal) und Vollkommenheit, was zeigt, dass diese Schönheit nicht die ihre ist, dass sie vielmehr Zeichen (ayat) und Spur einer edlen Schönheit und heiligen Vollkommenheit (cemal) sind.

Sie sind ein Hinweis auf die vielen verborgenen Schätze, die eine Manifestation dieser edlen Schönheit und heiligen Vollkommenheit (cemal) sind und sich in den Namen (Gottes), ja in jedem einzelnen von ihnen finden. Wie aber nun, eine in solchem Grade hohe, beispiellose verborgene Schönheit (cemal) ihren eigenen erhabenen Wert wie in einem Spiegel zu schauen und die Stufen ihrer Schönheit und die Wertung ihrer Vollkommenheit (cemal) in einer bewussten, sehnsuchtsvollen Reflektion zu betrachten verlangt, so verlangt sie auch danach, sich zu manifestieren, um ihre liebenswerte Schönheit (cemal) mit den Augen der anderen aufs Neue zu sehen. Das heisst, sie betrachtet ihre eigene Schönheit auf zweierlei Weise. Zum einen sieht sie sich selbst in jedem einzelnen Spiegel wieder in einer anderen Farbe, zum anderen möchte sie sich in der Sehnsucht der Betrachter und in der Begeisterung ihrer Bewunderer sehen. Das heisst, die Schönheit und Vollkommenheit (cemal) möchte sehen und gesehen werden. Sehen und Gesehen Werden aber verlangt nach einem sehnsüchtgen Betrachter, nach begeisterten Bewunderern. Eine unsterbliche Schönheit und ewige Vollkommenheit (cemal) aber verlangt nach der beständigen Anwesenheit derer, die sie sehnsüchtig betrachten. Denn eine immerwährende Schönheit kann sich nicht mit einem sterblichen Bewunderer zufrieden geben. Denn ein Betrachter, der unwiderruflich zum Tode verurteilt ist, dessen Liebe verwandelt sich angesichts des Todes in Feindschaft. Seine Begeisterung verwandelt sich in Verachtung, seine Verehrung in Beschimpfung. Denn so wie ein egoistischer Mensch Feind dessen ist, was er nicht kennt, so ist er auch ein Gegner dessen, was er nicht zu erreichen vermag. Denn eine unendliche Zuneigung verkehrt sich gegenüber einer Schönheit, die doch grenzenloser Liebe und Bewunderung würdig wäre, in eine versteckte Abneigung, ja Hass und Zurückweisung. So begreift man das Geheimnis des Ungläubigen, der ein Feind Allahs geworden ist.

In der Tat verlangt also diese unendliche Gastfreundschaf und Freigebigkeit, diese beispiellose Schönheit und Vollkommenheit (cemal), diese makellose Vollendung (kemal), nach ewig dankbaren, sehnsüchtigen Bewunderern. Doch in der Herberge dieser Welt sehen wir, dass jeder rasch davon geht und entschwindet. Er hat von den Gaben dieser Gastfreundschaft kaum ein wenig gekostet. Sein Appetit wurde angeregt. Doch er geht ohne recht gegessen zu haben. Er sieht nur einen Schimmer des Lichtes von dieser Schönheit und Vollkommenheit (cemal ve kemal), ja nur einen schwachen Schatten davon für einen Augenblick und geht wieder davon, ohne sich satt gesehen zu haben. Das heisst, er geht hinüber in ewige Gärten. Kurzum, so wie diese Welt mit allem, was da ist, unfehlbar auf die Majestät des Schöpfers hinweist, so weisen auch die Attribute und Namen dieser Majestät des Schöpfers auf eine Heimstatt im Jenseits hin, bezeichnen sie und verlangen nach ihr.

Fünfte Wahrheit: Das Tor der selbstlosen Liebe und der Dienst und die Anbetung Mohammeds (ASM) ist die Manifestation seiner Namen " der Bewirkende (mucib)" und " der Erbarmende (rahim)".

Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass ein Herr, der unendliche Liebe und Barmherzigkeit besitzt und auch das primitivste Bedürfnis Seines niedersten Geschöpfes sieht und es auf unerwartete Art und Weise in vollkommener Liebe befriedigt, der auch noch die leiseste Stimme eines Seiner verborgensten Geschöpfe hört und ihm Hilfe schickt und der auf alle die Bitten, ausgesprochene wie unausgesprochene, hört, die grösste Not Seines grössten Dieners und Verehrers (Anm. 3),

Anm.: In der Tat ist diese Persönlichkeit, deren Untertanen in einem Reiche, das bereits seit tausenddreihundert Jahren besteht und deren Reich noch weiter fortbesteht, -mit mehr als dreihundertfünfzig Millionen Untertanen, Untertanen, die ihm täglich alle ihren Bund erneuern, seine Vollendung bezeugen, sich gehorsam seinen Weisungen beugen eine Persönlichkeit, welche der Hälfte des Erdkreises und einem Fünftel des Menschengeschlechtes seine charakteristische Farbe verliehen hat, der Geliebte ihrer Herzen und Gestalter ihrer Seelen ist, mit Sicherheit ist diese Persönlichkeit der allerhöchste Diener und Verehrer des Herrn, der das Universum lenkt. Wenn nun die meisten Geschöpfe dieser Welt ein Ausdruck der Wundergaben dieser Persönlichkeit geworden sind und so Amt und Auftrag freudig begrüsst haben, dann ist sicherlich diese Persönlichkeit das geliebteste Geschöpf des Schöpfers dieser Welt. Zudem ist ein Bedürfnis, das zu befriedigen die ganze Menschheit mit allen ihren Kräften strebt, gleich dem Bedürfnis nach Beständigkeit, jenes Bedürfnis, das den Menschen vom niedrigsten der niedrigen zu den Höhen von Illiyyun (der Paradieses) emporzieht. Dieses Bedürfnis ist sicherlich das grösste aller Bedürfnisse und der höchste Diener und Anbeter wird es im Namen der Allgemeinheit vor den bringen, der in aller Not versorgt.

Seines geliebtesten Geschöpfes nicht sehen und ihr kein Ende bereiten, sein höchstes Gebet nicht hören und nicht annehmen sollte?... In der Tat wird uns am Beispiel der Ernährung und Aufzucht hilfloser Jungtiere eine Gastfreundschaft, und Unterstützung gezeigt, wie der Herr der Welt in grenzenloser Barmherzigkeit regiert. Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass der, welcher mit einer Liebe von solcher Erbarmung regiert, das schönste Gebet Seines würdigsten Geschöpfes nicht annehmen sollte?!.. Diese Wahrheit haben wir zwar bereits im

"Neunzehnten Wort" erläutert, wollen sie aber hier noch einmal darlegen.

Oh du mein Gefährte, der du mir zuhörst wie meine Seele! In unserer Erzählung haben wir folgendes Bild gebraucht: Auf einer Insel findet eine Versammlung statt... Ein oberster Botschafter hält dort eine Ansprache. Die Wahrheit, die er auslegt, ist wie folgt: Komm! Wir wollen uns aus dieser Zeit zurückziehen und in unserer Vorstellung in das glückliche Zeitalter auf die Halbinsel Arabien gehen, um den ehrwürdigen Propheten (ASM) zu besuchen und ihn bei der Erfüllung seiner Pflichten, in Gebet und Gottesdienst zu beobachten. Siehe! So wie diese Persönlichkeit durch Prophetentum und Rechtleitung (hidayet) Ursache für die Schaffung ewiger Glückseligkeit ist und das Mittel, diese zu erlangen, so ist sie auch durch Gebet und Gottesdienst der Grund für das

Fortbestehen dieser Glückseligkeit und das Fahrzeug zum Paradies.

Nun siehe! Diese Persönlichkeit betet mit einer so grossen Hingabe, in so erhabener Anbetung um die ewige Glückseligkeit, als wäre die ganze Insel, ja der ganze Erdball in seinem Flehen, in einer einzigen, gewaltigen Feier des Gebetes mit ihm vereinigt. Denn in dern Gottesdienst, den er feiert, ist der Gottesdienst, der gesamten Gemeinde(Umma), die sich ihm unterstellt hat, mit enthalten, gleich wie das Geheimnis dieses Gottesdienstes auch in geheimnisvoller Übereinstimmung alle Propheten umfasst. Er betet und fleht mit einer solchen Hingabe in so gewaltiger Gemeinschaft, als sprächen alle erleuchteten und vollendeten Menschen unter den Kindern Adams, angefangen von den Zeiten Adams bis zu unserer Zeit, ja sogar bis zum Jüngsten Tage ihr "Amen" zu seinem Gebet, sich in seiner Nachfolge ihm unterwerfend. (Anm.)

Anm.: In der Tat sind alle Gebete und Segenswünsche der ganzen Gemeinde (umma) von den Gebeten Ahmeds (ASM) angefangen bis in unsere Zeit ein ununterbrochenes "Amen" und eine gemeinschafliche Teilnahmen an seinem Gebet. Ja sogar jeder Segenswunchs, der ihm entgegengebracht wird, ist ein Amen zu seinem Gebet. Alle Segens- und Friedenswünche, die ihm während des Gebetes von jedem einzelnen aus seiner Gemeinde dargebracht werden und das Dua-Gebet, das die Schafys vor dem Fard-Gebet für ihn verrichten, ist ein machtvolles, allgemeines "Amen" zu seinem Gebet um die ewige Glückseligkeit. Die Persönlichkeit Ahmeds (ASM) bittet und betet, so wie alle Menschen in ihrer menschlichen Natur unausgesprochen, doch mit ganzer Kraft, nach Beständigkeit und ewiger Glückseligkeit verlangten, im Namen des Menschengeschlechtes, und die Erleuchteten der Menscheit hinter ihm sagen "Amen". Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass dieses Gebet (von Gott) nicht angenommen werden sollte?

Siehe,er betet in einer so allgemeinen Not, z.B. um Ewigkeit und Beständigkeit, dass nicht nur alle Bewohner der Erde, nein, auch die Bewohner der Himmel, ja alle Wesen daran teilnehmen, unausgesprochen bitten und beten: "Ja, unser Herr! Gewähre es ihm! Nimm sein Gebet an! Darum bitten auch wir!" Und siehe nun, er bittet darum so herzergreifend, so liebevoll, so sehnsuchtsvoll, so flehentlich um beständige Glückseligkeit, dass er das ganze Weltall zu rühren und zur Anteilnahme an seinem Gebet zu bewegen vermag. Siehe, er betet noch dazu um eine Glückseligkeit, deren Ziel und Zweck es ist, den Menschen und alle Geschöpfe aus dem Zustande eines niedrigsten aller niedrigen, dem Sturz in die absolute Negation, Wertlosigkeit, Nutzlosigkeit, Sinnlosigkeit zu den Höhen von Illiyyun (das

Paradies), zu Wert, Beständigkeit, hoher Verantwortlichkeit und zu einem Brief des Unwandelbaren zu erheben.

Siehe, er ruft seine Bitte mit einem so lauten Schrei hinaus, bittet und fleht so rührend, im tiefsten Inneren bewegt, als wollte er die ganze Schöpfung, die Himmel und den Thron (Gottes) dazu bringen, ihm zuzuhören, in einem ekstatischen Gebet "Amen, Allahumma amin" zu sagen. (Anm.)

Anm.: Es ist in der Tat auf gar keine Weise möglich, dass der Lenker dieser Welt, der doch alle Seine Handlungen offensichtlich klar bewusst, wissentlich und weise ausführt, sich der Handlungen des auserwähltesten Mannes unter Seinen Geschöpfen nicht bewusst wäre und sie nicht kennen würde... Auch ist es in gar keiner Weise möglich, dass dieser allweise Lenker gegenüber den Handlungen dieses erwählten Mannes und seinen Gebeten gleichgültig bliebe, obwohl er um sie weiss, und ihnen keinen Wert beimessen würde. Und wiederum ist es in gar keiner Weise möglich, dass dieser allmächtige und barmherzige Lenker, wenn er doch seinen Gebeten gegenüber nicht gleichgültig bleibt, sie nicht annehmen würde. Ja, im Lichte der Persönlichkeit Ahmeds ASM hat sich die Gestalt der Welt verändert. Das wahre Wesen des Menschen und des gesamten Kosmos hat sich erst in diesem Licht, in diesen Strahlen entfaltet und es hat sich gezeigt, dass unter allem, was da ist in diesem Kosmos, jedes einzelne Sein ein Brief des Unwandelbaren ist, in dem die göttlichen Namen zu lesen sind und jedes ein zuständiger Beamter, und jedes hat Beständigkeit erlangt, ist wert- und sinnvolles Sein geworden. Wäre da nicht dieses Licht, bliebe alles Sein zu absoluter Negation verurteilt, wertlos, bedeutungslos, nutz-, sinn-, zwecklos und wirr, ein Spielzeug des Zufalls im Dunkel der Illusionen. Es ist um dieses Geheimnisses willen, das nicht nur die Menschen zu dem Gebet Ahmeds ASM ihr Amen sagen, vielmehr alles Sein in Himmel und auf Erden stolz ist auf sein Licht, ihre Verbundenheit mit ihm bezeigen... Schon der Geist, aus dem der Gottesdienst Ahmeds ASM erwächst, ist Gebet. Sogar alle die Bewegungen und Funktionen im. All sind eine Art von Gebet. So ist z. B. die Tätigkeit, die ein Samenkorn entfaltet, ein Gebet zu seinem Schöpfer, um ein Baum zu werden...

Und siehe: er erbittet von diesem Allmächtigen, dem Freigebigen, der alles hört, dem Allwissenden, dem Erbarmer, der alles sieht, Glückseligkeit und Beständigkeit. Wie wir es mit eigenen Augen sehen können, sieht und hört ER den verborgensten Wunsch auch noch des verborgensten Wesens, seinleisestes Flehen, nimmt es an, erbarmt sich seiner und beantwortet es, wenn auch unausgesprochen. ER beantwortet es mit soviel Weisheit, Klarsicht und Erbarmen, dass kein Zweifel daran bleibt, dass alles, was zu Unterhalt und Versorgung geschieht, von dem kommt, der alles hört und sieht, dem Freigebigkeit und Barmherzigkeit zu eigen ist.

Wollen wir nun hören, was der Stolz des Menschengeschlechtes, dieser Einzigartige in Raum und Zeit, die Ehre des Universums erbittet, er, hinter dem alle Kinder Adams

stehen, der, weilend auf der Erde, seine Hände zum Throne des Allgewaltigen erhebt, und der in seinem Gebet, dem wahren Gottesdienst Ahmeds ASM, die Essenz des Gottesdienstes der Menschheit enthält. Siehe, er erbittet für sich und seine Gemeinde (umma) die ewige Glückseligkeit. Er bittet um Beständigkeit, um das Paradies. Er bittet zugleich darum, dass sich dort alle die heiligen Namen Gottes offenbaren, die ihre Schönheit (cemal) in den Spiegeln allen Seins zeigen. Du siehst ihn, wie er nach der Offenbarung dieser Namen verlangt. Gäbe es nicht diese zahllosen Gründe, die nach der Existenz eines Jenseits verlangen und die Beweise für sein Vorhandensein, schon ein einziges Gebet dieser Persönlichkeit genügte, jenes Paradies zu erbauen. Der Macht des allbarmherzigen Schöpfers wäre dies ebenso ein Leichtes, wie unseren Frühling zustandezubringen... (Anm. 1)

Anm. 1: In der Tat ist der Erdball im Vergleich mit dem Jenseits nur wie eine sehr knappe Seite, welche als Beispiel der Versammlung am Tage der Auferstehung die grenzlos zahlreichen, wunderbaren Nachbildungen zeigt und auf dieser einen einzigen Seite in vollkommener Ordnung aufgeschrieben und eingesetzt gleich dreihunderttausend Büchern wohlgeordnet sind die Arten der Schöpfung. Dies ist sicherlich schwieriger, als in der weiten Welt des Jenseits ein feinstoffliches und wohlgefügtes Paradies zu erbauen und ins Dasein zu rufen. Ja man kann sogar sagen, dass die Erschaffung der Gärten des Frühlings im gleichen Masse schwieriger und wunderbarer ist als die des Paradieses, wie das Paradies über die Gärten erhaben ist.

Ja wie könnte für den, der in jedem Frühling den Erdball einem Versammlungsort gleich werden lässt und dort hunderttausend Nachbildungen einer solchen Versammlung hervorbringt, die Schaffung des Paradieses schwierig sein? Das heisst, sein Prophetentum veranlasste, dass diese Stätte der Prüfung eingerichtet wurde, wie es das Geheimnis des folgenden heiligen Hadith bestätigt: =wenn nicht für Dich, wenn nicht für Dich, ja nicht erschaffen hätte Ich das All."

Desgleichen veranlasste auch sein Gottesdienst, dasa eine andere, jenseitige Stätte der Glückseligkeit eingerichtet wurde... Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass eine solche alles Verstehen in Erstaunen versetzende Ordnung in dieser Welt und eine solche makellose künstlerische Schönheit in so breiter Fülle und eine so beispiellose Vollkommenheit (cemal) in der Herrschaft (Gottes) sein Gebet unbeantwortet lassen könnte? Nein, solch eine Hässlichkeit, eine solche Unbarmherzigkeit, eine solche Unordentlichkeit wäre damit unvereinbar. Denn wer die kleinsten, unbedeutensten Wünsche, den leisesten Ruf hört und erhört und entspricht, sollte der die wichtigsten, notwendigsten Wünsche für unwichtig ansehen, sie nicht hören und erhören und nicht verstehen? Nein und abermals und hunderttausendmal Nein! Da sei Gott vor! Eine solche Schönheit ist mit einer derartigen Hässlichkeit unvereinbar und kann niemals hässlich werden. (Anm. 2)

Anm. 2: Tatsächlich ist die Umkehrung von Wahrheiten nach allgemeiner Übereinstimmung unmöglich. Was an dieser Umkehrung der Wahrheiten das Unmögliche des Unmöglichen darstellt, was an der Verkehrung des Gegenteils in sein eigenes Gegenteil offensichtlich tausend Mal unmöglich ist, ist folgendes: ein Gegenteil kann nicht seine Beschaffenheit beibehalten und dabei gleichzeitig sein eigenes Gegenteil sein. Zum Beispiel: eine unendliche Schönheit kann nicht wirklich hässlich sein, während sie in Wirklichkeit schön ist. Also kann, wie wir aus diesem Beispiel ersehen können, die Herrschaft Gottes in ihrer Schönheit und Vollkommenheit nicht gleichzeitig hässlich sein und dabei gleichzeitig Ihren Charakter einer vollkommenen Herrschaft beibehalten. Das wäre in dieser Welt unter allen unmöglichen und abwegigen Beispielen das seltsamste...

 

Das heisst also, dass Resul-i Ekrem ASM in seiner Eigenschaft als Verkündiger Gottes die Pforten zur Welt geöffnet hat und so auch in gleicher Weise als Sein Diener und Verehrer die Pforten des Jenseits öffnet...

Mögen die Segnungen des Barmherzigen mit ýhm sein, gross und weit wie die Welt und die Gärten des Paradies!

Oh Allah, segne Deinen geliebten Diener, der Dich anbetet (Abd, habib) und den Du gesandt hast (Rasul), ihn, der der Herr ist in beiden Welten (kaun), der Stolz beider Welten (alem), die Quelle (dar) des Lebens hier und dort, der Weg (vasila) zur Glückseligkeit hier und dort, der Herr beider Flügel und der Botschafter (Rasul) für die Menschen und die Geister (Dschinn), ihn und seine Familie und seine Gefährten (Ashab) insgesamt und seine Brüder unter den Propheten (Naby) und Gesandten (Rasul).

-Amin-

Sechste Wahrheit: Das Tor zu Glanz und Unsterblichkeit ist die Manifestation Seiner Namen "der Majestätische (Celil)" und " der Beständige (Baqy)"

Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass der Glanz Seiner Herrschaft, die sich alles Sein, die Sonnen und auch die Bäume bis hin zu den Atomen gleich gehorsamen Soldaten unterworfen hat und es lenkt, sich auf verlorene, vergängliche Menschen stützen sollte, die in der Herberge dieser Welt ein flüchtiges Leben verbringen, und sich nicht eine unsterbliche,bleibende Stätte Seiner Majestät und einen ewigen, erhabenen Sitz Seiner Herrschaft errichten?! In der Tat zeigen diese königlichen Massnahmen, wie der Wechsel der Jahreszeiten, den wir in dieser Welt beobachten, gewaltige Vorgänge wie die Bewegungen der Planeten, die Flugzeugen gleichen, eine furchterregende Befehlsgewalt, wie sie die Erde dem Menschen zur Wiege und die Sonne ihm zur Leuchte bestimmt hat, umfassende Verwandlungen, gleich der Wiederbelebung der toten, vertrockneten Erde und ihre Ausschmückung, dass es hinter den Kulissen eine grosse und gewaltige Herrschaft gibt, die in königlichem Glanze herrscht. Eine solche Königsherrschaftverlangt nach Untertanen, die ihrer würdig sind und einem passenden Ort der Manifestation. Stattdessen aber sieht man, das die bedeutendsten und kompetentesten Seiner Untertanen sich in der Herberge dieser Welt nur vorübergehend zu einer provisorischen Versammlung eingefunden haben. Diese Herberge jedoch füllt und lehrt sich täglich. Zudem versammeln sich alle Untertanen nur vorübergehend an diesem Orte der Prüfung, um ihre Dienstfähigkeit zu erproben. Der Platz aber verwandelt sich stündlich. Zudem bleiben alle Untertanen nur wenige Minuten auf diesem Ausstellungsgelände, um die Nachbildungen jener kostbaren Gnadengaben des königlichen Künstlers und Seine wunderbaren antiken Kunstwerke auf den Ständen des Jahrmarkts dieser Welt wie mit den Augen eines Händlers zu betrachten und dann wieder zu entschwinden. Dieses Messegelände aber verändert sich in jeder Minute. Wer gegangen ist, kommt nicht mehr wieder... wer gekommen ist, wird wieder gehen. Also zeigen uns diese Umstände und Verhältnisse mit Sicherheit, dass sich hinter dieser Herberge diesem Gelände, diesen Hallen ewige Schlösser und beständige Wohnstätten befinden, in denen der Sitz eines ewigen Königreiches zum Ausdruck kommt, und die angefüllt sind mit den makellosen, erhabenen Originalen der Nachbildungen und Abildungen, die wir in dieser Welt gesehen haben, dazu noch Weinberge und Schatzkammern. Das heisst, was wir hier erstreben, werden wir dort erhalten. Hier wird gearbeitet, dort der Lohn gegeben. Soweit er sie nicht verloren hat, empfängt jeder dort Glückseligkeit nach seiner Fähigkeit. Es ist tatsächlich unmöglich, dass sich ein solches unvergängliches Königreich auf so vergängliche, verlorene, sterbliche Seelen stützen sollte...

Betrachte nun diese Wahrheit durch das Fernrohr des folgenden Gleichnisses! Du bist, beispielsweise, unterwegs. Da siehst du an deinem Wege eine Herberge liegen. Ein grosser Herr hat sie denen erbaut, die als Gäste zu ihm kommen. Damit seine Gäste sich dort eine Nacht lang aufhalten und einen Eindruck gewinnen können, gibt er für die Ausstattung Seiner Herberge Millionen Taler aus. Aber es gibt unter den Gästen nur sehr wenige, welche die Ausstattung des Hauses einige Augenblicke betrachten, für kurze Zeit ein wenig von den dargebotenen Wohltaten geniessen, während die meisten ungesättigt von dannen gehen. Jedoch fotografiert ein jeder Gast die Dinge in dieser Herberge mit seiner eigenen Kamera und nimmt die Bilder mit sich. Und auch die Diener dieses grossen Herrn machen sich sehr sorgfältig ein Bild von den Handlungen Seiner Gäste und bewahren es auf. Ausserdem siehst du, dass dieser Herr täglich einen grossen Teil Seiner wertvollen Ausstattung zerstört, um für die neu ankommenden Gäste das Haus wieder neu einzurichten. Ja bleibt denn noch, nachdem du dies gesehen hast, ein Zweifel daran, dass der Herr, der diese Herberge am Wege erbaut hat, ewige, erhabene Wohnstätten und dazu noch unerschöpfliche, sehr wertvolle Schätze besitzt und dabei noch von einer beständigen, sehr grossen Freigebigkeit ist! Mit der Gastfreundschaft, die ER in dieser Herberge bezeigt, möchte ER in Seinen Gästen einen Hunger nach den Dingen wecken, die ER besitzt. Dadurch weckt ER in ihnen das Verlangen nach den Geschenken, die ER für sie bereit hält. Nach all dem Gesagten wirst du nun aus den Geschehnissen in jeder diesseitigen Herberge die folgenden neun Grundsätze verstehen können, wenn du nicht trunken sondern aufmerksam bist.

1. Grundsatz: Du verstehst, dass diese Welt, die einer Herberge gleicht, nicht für sich selbst da ist... Es ist auch unmöglich, dass sie sich selbst diese Form gegeben hat. Sie ist vielmehr ein Gasthaus, das mit Weisheit geschaffen wurde, damit die Scharen der Geschöpfe dorthin kommen und sich darin aufhalten können, bevor sie wieder weiterziehen.

2. Grundsatz: Du verstehst auch, dass die Bewohner dieser Herberge Gäste sind. Ihr freigebiger Herr lädt sie in das Haus des Friedens ein.

3. Grundsatz: Du verstehst auch, dass der Schmuck, mit dem diese Welt ausgestattet ist, nicht nur dem Vergnügen und dem Zeitvertreib dient. Denn diente er auch eine Zeitland dem Genuss, so verursachte doch seine Aufgabe einen Schmerz für lange Zeit. Er gleicht einer Kostprobe, die den Appetit anregt, ohne ihn zu befriedigen. Denn entweder ist er selbst nur von kurzem Bestand, oder aber dein eigenes Leben dauert nur kurze Zeit. Es reicht nicht zur Befriedigung. Das heisst, sein Wert ist zwar hoch, aber nur von kurzer Dauer. Dieser Schmuck dient zur Belehrung, verlangt unsere Dankbarkeit. Er dient der Nachfrage nach den beständigen Originalen. Er dient anderen, hocherhabenen Zielen... (Anm 1).

Anm. l: In der Tat ist der Wert aller Dinge und ihrer künstlerischen Verarbeitung sehr hoch. Doch der Dinge Schönheit hat kaum Bestand und ihre Lebensspanne ist kurz. Das heisst also, dass diese Dinge nur Nachbildungen sind. Sie gleichen den Bildern von anderen Dingen. Sie sehen nun einmal so aus, als sollten sie die Blicke der Kunden auf

deren Originale lenken. Mann kann also sagen, dass ein derartiger Schmuck in dieser Welt Nachbildungen der Gnadengaben des Paradieses darstellt, die der barmherzige Erbarmer in Seiner Barmherzigkeit für Seine geliebten Diener und Anbeter vorbereitet hat, man muss es sagen und es ist auch so.

Vierter Grundsatz: Du verstehst, dass der Schmuck dieser Welt den Nachbildungen und Abbildungen der Gnadengaben gleicht, die durch das Erbarmen des Barmherzigen für die Gläubigen im Paradies aufbewahrt werden.(Anm.2)

Anm. 2: In der Tat hat die Existenz jedes Dinges zahlreiche Zwecke und zahlreiche Ergebnisse seines Lebens. Die Ziele der Dinge in der Welt sind nicht auf sich selbst beschränkt, wie sich das diejenigen einbilden, die auf Irrwegen gehen, so dass Sinnlosigkeit und ein Mangel an Weisheit eintreten würde. Vielmehr sind die Ziele der Existenz eines jeden Dinges und die Ergebnisse seines Lebens die folgenden drei:

 

Erstens: Das erhabenste bezieht sich auf den Schöpfer. Es besteht daraus, die wundervollen Kunstwerke, mit denen ER die Dinge geschmückt hat, wie bei einer Parade den Blicken des urewigen Zeugen zu präsentieren. Für diesen Anblick einen einzigen flüchtigen Augenblick zu leben, genügt. Ja es genügt schon seine Fähigkeit, die einer unausgesprochenen Absicht gleicht, selbst dann, wenn sie nicht Gestalt annimmt. So erreichen die rasch vergänglichen, empfindlichen Kunstwerke, auch wenn sie nicht ins Dasein treten, und die wundervollen Kunstwerke der Samenkörner und -kerne, auch wenn sie nicht zu keimen beginnen, dieses Ziel vollständig. Sinn- und Nutzlosigkeit berührt sie nicht. Das heisst, das erste Ziel jeden Dinges besteht darin, in seinem Leben und Dasein die wunderwirkende Kraft und die Kunstwerke seines Meisters darzustellen und den Blicken der Majestät des Königs zu präsentieren...

 

Zum zweiten besteht der Zweck des Daseins und das Ziel des Lebens darin, mit Bewusstsein betrachtet zu werden. Denn jedes Ding ist wie ein Brief des königlichen Meisters, der die Wahrheiten aufzeigt, eine Kasside, die seine Schönheit besingt, ein Wort der Weisheit, das sich danach sehnt, von Engeln, Dschinnen, Tieren und Menschen betrachtet zu werden und zu einem Studium einlädt, d. h. ein Gegenstand, der für alles, was Bewusstsein trägt, Lehrstoff und Studienmaterial sein möchte.

 

Zum dritten besteht der Zweck des Daseins und das Ziel des Lebens darin, sich auf sich selbst zu beziehen. Es handelt sich dabei um so persönliche Ziele, wie Genuss, Vergnügen, Beständigkeit und Wohlergehen. Zum Beispiel: Ein Hunderstel der Tätigkeiten, die ein Steuermann auf einem riesigen Schiff des Königs verrichtet, dient ihm selbst und zu seiner Entlohnung, 99% sind für den König. In gleicher Weise erfüllt jedes Ding seinen Zweck zu einem Prozent für sich selbst und die diesseitige Welt; neunundneunzig Teile gehören dem Schöpfer. So erklärt sich also das Geheimnis des Zusammenwirkens der verschiedenen Ziele, die einander so entgegengesetzt und widersprechend erscheinen wie die Zweckmässigkeit und Sparsamkeit der Freigebigkeit und Gastfreundschaft, besonders, wenn diese unbegrenzt ist. Aus dem einen Blickwinkel betrachtet herrschen Freigebigkeit und Gastfreundschaft. So manifestiert sich der Name "Freigebiger (Cevad)". Aus diesem Blickwinkel und allein mit diesem Ziel betrachtet gibt es Obst und Getreide ohne Mass. Sie zeigen grenzenlose Freigebigkeit. Aber vom universellen Standpunkt aus betrachtet, herrscht die Weisheit. Der Name "Allweiser" manifestiert sich. Jede Frucht hat so viele Ziele, wie es Früchte an einem Baum gibt. Wie wir oben erklärt haben, lassen sie sich in drei Arten unterteilen. Diese universellen Ziele zeigen eine grenzenlose Weisheit und Sparsamkeit. Die so einander entgegengesetzten Ziele einer grenzenlosen Weisheit und umfassenden Zweckmässigkeit und einer grenzenlosen Freigebigkeit verbinden sich so miteinander. So ist zum Beispiel eine Aufgabe des Militärs die Ruhe und Ordung. Für diese Aufgabe gibt es so viele Soldaten, wie du willst, ja mehr als genug. Aber für andere Aufgaben wie den Schutz der Grenzen und den Kampf gegen die Feinde ist ihre Anzahl gerade noch ausreichend. Es herrscht ein Gleichgewicht in vollkommener Weisheit und Zweckmässigkeit. So verbindet sich die Weisheit eines Staates mit seiner Macht. Und so lässt sich sagen, dass es in dieser Armee kein Ubermass gibt.

 

Fünfter Grundsatz: Man versteht auch, dass diese vergänglichen Kunstwerke nicht für die Vergänglichkeit erschaffen wurden, dafür, sich ein Stück zu zeigen und danach vernichtet zu werden, sondern um sich in diesem Dasein für eine kurze Zeit zu versammeln, ihre vorbestimmte Form anzunehmen, damit ihre Bilder festgehalten, ihre Nachbildungen aufbewahrt werden können, damit man ihren Sinn zu verstehen, ihren Zweck zu verzeichnen vermag...

So sollen sie z. B. für die Bewohner der Ewigkeit zu einer bleibenden Ansicht gewebt sein. Auch sollen sie in der bleibenden Welt noch anderen Zwecken dienen. Die Dinge wurden für die Dauer erschaffen, nicht um zu vergehen; ja selbst wenn sie äusserlich vergehen... ihre Aufgabe erfüllt haben und sie entlassen werden, so versteht man auf diese Weise, dass ein vergängliches Ding zwar in der einen Hinsicht seiner Vernichtung entgegen geht, in vielerlei Hinsicht aber bestehen bleibt. Betrachte zum Beispiel diese Blume, welche ein Wort der Allmacht Gottes ist, diese Blume schaut und lächelt uns für eine kurze Zeit an. Danach verbirgt sie sich hinter dem Schleier des Nicht-mehr-Seins. Aber sie geht so wie ein Wort, das deinen Mund verlassen hat und hinterlässt in den Ohren tausende Seinesgleichen. In dem Verstande derer, die es verstehen, verbleiben ihrer Zahl entsprechend ebensoviele Bedeutungen. Denn nachdem es seine Bedeutung zum Ausdruck gebracht und damit seine Aufgabe erfüllt hat, vergeht und entschwindet es selbst. Auch die Blume entschwindet, nachdem sie allen, die sie wahrgenommen haben, ihre Gestalt ins Gedächtnis eingeprägt und in jedem ihrer Samenkörner das Wesen ihres Seins zurückgelassen hat. Es ist, als gleiche jedes Gedächtnis und jedes Samenkorn einer Kamera, ihren Schmuck aufzubewahren und einer Wohnung zu ihrer bleibenden Fortdauer. Verhält es sich aber mit den Geschöpfen auf der untersten Sprosse des Lebens auf diese Weise, dann mag man verstehen, wie sehr der Mensch auf der höchsten Ebene des Lebens als Besitzer einer ewigen Seele der Ewigkeit verbunden ist. Geht man nun wiederum davon aus, dass die Strukturgesetze selbst riesiger blüten- und früchte tragender Pflanzen, deren jedes ein wenig der Seele gleicht, mit vollständiger Ordnung als Miniaturausgaben in den winzigen Samen unter stürmischen Wandlungen bewahrt und weitergegeben werden, so kann man verstehen, wie sehr die Seele des Menschen, vielseitig begabt und ausgestattet durch ihr erhabenes Wesen, bekleidet mit einer äusseren Gestalt, ein bewusstseintragender, erleuchteter Befehl Gottes mit der Beständigkeit verknüpft und verbunden ist...

 

Sechster Grundsatz: Man versteht desweiteren auch, dass es dem Menschen nicht überlassen bleibt, mit einer Leine um den Hals zu grasen, wo er will, vielmehr alle seine Taten aufgenommen und aufgeschrieben und die Ergebnisse aller seiner Handlungen für den Tag der Abrechnungaufbewahrt werden.

 

Siebter Grundsatz: Man versteht desweiteren auch, dass die Zerstörung im Herbst all des Schönen, das im Sommer, im Frühling zuvor erschaffen worden war, nicht einer Vernichtung gleich kommt, sondern einer Entlassung der Geschöpfe, die ihre Aufgabe erfüllt haben. (Anmerkung).

Anmerkung: Und wirklich müssen die Früchte, Blumen und Blätter, die wir an den Spitzen und Enden der Bäume finden und ihre Versorgung aus dieser Schatzkammer des Erbarmens erhalten haben, vergehen, wenn sie ihre Aufgabe erfüllt haben und alt geworden sind, damit das Tor für die nach ihnen in beständigem Strom kommenden sich nicht schliesst. Es würde sonst eine Barriere errichtet gegenüber der Fülle der Barmherzigkeit und dem Dienst der übrigen Brüder. Mehr noch würden sie mit dem Vergehen ihrer Jugend auch die Würde und Ordnung ihres Lebens verlieren. So gleicht auch der Frühling einem Obstbaum, der uns die Auferstehung zeigt. Zudem gleicht die Welt des Menschen in jedem Jahrhundert einem mahnenden Beispiel vom Baum der Lehre. Und auch die Erde gleicht einem mächtigen Baum, der ein Beispiel wunderbarer Auferstehung ist. Sogar das diesseitige irdische Leben gleicht einem staunenerregenden Baum, der seine Früchte auf den Markt des Jenseits schickt.

Diese Entlassung bedeutet zudem, dass Platz geschaffen und frei gemacht wird für die neuen Geschöpfe, die im Frühling kommen werden, dass der Platz vorbereitet und Raum geschaffen wird für diejenigen, die neu eintreffen und ihre Pflichten übernehmen werden, für die Geschöpfe, die nun ihren Auftrag erhalten. Schliesslich ist es auch eine Mahnung des Hochgelobten an alle Seine bewussten Geschöpfe, nicht in Sorglosigkeit und Pflichtvergessenheit zu verfallen, nicht wie im Rausch ihre Dankespflicht zu vernachlässigen.

 

Achter Grundsatz: Man versteht desweiteren auch, dass der ewige Meister dieser vergänglichen Welt noch eine andere, ewige Welt für sich hat , in die zu gelangen ER Seine Diener und Anbeter anführt und anspornt...

 

Neunter Grundsatz: Man versteht desweiteren auch, dass dieser Allerbarmer in einer solchen Welt für Seine getrauen Diener und Anbeter derartige Gastgeschenke bereit halten wird, wie sie noch kein Auge gesehen, von denen noch kein Ohr etwas gehört hat und über die noch in keines Menschen Herz etwas eingedrungen ist. Wir glauben...

 

Siebente Wahrheit: Das Tor des Schutzes und der Beschützung ist die Manifestation der Namen "Beschützer (Hafidh)" und "Wächter (Raqib)".

Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass ein Schutz, der in vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit alle Dinge im Himmel und auf Erden, zu Wasser und zu Lande, seien sie nun nass oder trocken, gross oder klein, hoch oder niedrig, überwacht und das, was sie bewirken, siebt und sichtet, und die Taten und Handlungen des Menschen, die sich auf die allgemeine Herrschaft (Gottes) beziehen, nicht überwachte? Des Menschen, der diesen hohen Vorzug besitzt, ein Mensch sein zu dürfen, den Rang eines Gross-Kalifen zu bekleiden, betraut mit der grossen Aufgabe, ein hohes Pfand zu verwalten. Sollte der seine Taten und Handlungen nicht mit dem Sieb Seiner Abrechnung sichten? Nicht mit der Waage der Gerechtigkeit wägen? Ihm nicht eine entsprechende Belohnung oder Bestrafung zumessen? Nein, durchaus nicht...

Tatsächlich überwacht diese Persönlichkeit, die das Universum lenkt und leitet, alle Dinge in Ordnung und Ausgewogenheit. Ordnung und Ausgewogenheit aber sind eine Erscheinungsweise angewandter Wissenschaft und eines machtvollen Willens. Denn wir sehen, dass alle Dinge in bester Ordnung und Ausgewogenheit geschaffen und gestaltet wurden.Und obwohl sie ihre Gestalt im Verlaufe ihres Lebens verändern, verharrt doch jedes von ihnen in einem Zustande der Ordnung und bleibt auch dieser gesamte Ablauf unter dem Gesetz der Ordnung. Wir sehen auch, dass der majestätische Beschützer (Hafiz-i Zulcelal) mancherlei Bilder und Gestalten eines jeden Dinges, dessen Leben mit der Erfüllung seiner Aufgabe zu Ende gegangen ist und das diese bezeugte Welt (alem-i schehadet) scheidend verlassen hat, in einem Gedächtnis gleich einer wohlgehüteten Tafel eingewebt und aufgeschrieben und so in Form ihrer Urbilder gespeichert hat und so auch einen Abriss seines Lebens, in einem Samenkorn, wie auch in dessen Frucht. So verleiht ER ihnen in den inneren und äusseren Spiegeln Beständigkeit. Das Gedächnis des Menschen, die Frucht eines Baumes, der Kern einer Frucht, der Samen einer Blume zeigen zum Beispiel den ungeheuren Geltungsbereich dieses Gesetzes der Konservierung. Siehst du nicht, dass alle blüten- und früchtetragenden Gewächse eines ungeheuren Frühlings und das Verzeichnis ihrer Taten in der ihnen gemässen Form, die Gesetze ihres Wachstums und die Urbilder ihrer Form dadurch erhalten werden, dass ER sie in dem engbegrenzten Raum eines Samenkorns einschreibt? In einem zweiten Frühling gibt ER die Liste ihrer Tatenaufgrund einer ihnen entsprechenden Abrechnung heraus und gestaltet in vollkommener Ordnung und Weisheit eine neu ungeheure Welt des Frühlings und Zeigt so, in was für einem gewaltigen Umfang die Beschützung und Bewahrung zur Auswirkung kommt. Wenn also nun bei so vergänglichen, wertlosen, unbeständigen und bedeutungslosen Dingen eine solche Bewahrung zu beobachten ist, wäre es denn dann überhaupt noch möglich, dass die Taten des Menschen, die in der Welt des Unsichtbaren, der jenseitigen Welt, in der Welt der Seelen und der Geister, unter dem Aspekt der universalen Herrschaft Gottes bedeutende Früchte bringen, nicht als bedeutungsvoll verbucht würden? Nein, durchaus nicht!

In der Tat wird aus der Art, wie sich diese Beschützung und Bewahrung manifestiert, verständlich, dass der Herr (Malik) allen Seins mit grosser Sorgfalt auf die Verbuchung aller Abläufe in Seinem Reiche achtet. Ausserdem schenkt ER den Pflichten Seiner Herrschaft eine unendlich grosse Auf merksamkeit. Und ER verwendet auch eine sehr grosse Sorgfalt auf die Aufgaben Seiner königlichen Regierung.

Dies mit einer so grossen Sorgfalt, dass ER auch das kleinste Ereignis, auch noch den unbedeutendsten Dienst aufzeichnet und aufschreiben lässt. Über alle Abläufe in Seinem Reich bewahrt ER die Abbildungen aller Gegenstände in den verschiedenen Dingen auL Diese Verwahrung ist ein Zeichen dafür, dass einmal ein bedeutendes Abrechnungsbuch der Taten eröffnet und besonders die grossen Taten und wichtigen Handlungen des Menschen, der essentiel der grösste, würdigste und vornehmste unter allen Geschöpfen ist, einer genauen Prüfung und Wägung unterzogen werden. Dann wird das Archiv seiner Handlungen geöffnet. Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass der Mensch, mit dem Kalifat und einem Unterpfand (= seiner Seele) betraut sein sollte und zu einem Befehlshaber und Zeugen aufgestiegen, der die Universalität der Herrschaft Gottes bezeugt und die Einheit Gottes (Vahdaniyyet) im Reich der Vielheit verkündet,der einen grossen Teil der Schöpfung in Anbetung und Gottesdienst behindert (Anm. d.Ü.: der Mensch stört das Gleichgewicht der Natur), ins Grab hinabsteigen, dort ruhig schlafen und nicht wieder auferweckt werden sollte?! Sollte er nicht nach all seinen kleinen und grossen Taten gefragt werden?! Sollte er nicht zum Versammlungsort der Auferstehung gerufen und vor einem obersten Gerichtshof gestellt werden?! Nein, durchaus nicht!...

Oder wie könnte wohl der Mensch ins Nichtsein hinübergehen und entfliehen, in die Erde hinabsteigen und sich verstecken vor der majestätischen Allmacht, wo doch die Geschehnisse aller vergangenen Zeiten (Anm.)

Anm.: Tatsächlich besteht die gesamte Vergangenheit, von der Jetztzeit angefangen rückwärts bis zum Beginn der Erschaffung der Welt, aus Ereignissen, die wirklich stattgefunden haben. Jeder Tag, jedes Jahr, jedes Zeitalter, welches ins Dasein trat ist eine Zeile, eine Seite, ein Buch, von der Feder des Qader (= göttliches Vorherwissen) illustriert, und verfasst von der Hand der Macht, die darin ihre Wunderzeichen (Ayat) in vollkommener Weisheit und Ordnung niedergeschrieben hat.

Von der Jetztzeit an bis zum Tage der Auferstehung, des Paradieses, der Ewigkeit liegt die gesamte zukünftige Zeit im Bereich des Möglichen. Das heisst, die Vergangenheit liegt im Bereich des Tatsächlichen, die Zukunft im Bereich des Möglichen. Stellt man also diese zwei Folgen der beiden Zeiten einander gegenüber, dann erkennt man ohne jeden Zweifel, dass der Herr (Zat), der den gestrigen Tag geschaffen hat und alles, was darinnen zu ihm gehört, auch mächtig ist, den morgigen Tag mit allem, was darinnen sein wird, ins Dasein zu rufen. Desgleichen besteht kein Zweifel daran, dass alles, was in vergangener Zeit ins Dasein gerufen wurde mit allen seinen Einzigartigkeiten an dieser Stätte staunenerregender Dinge, Wunder einer Majestätischen Allmacht ist. Es bezeugt mit völliger Sicherheit, dass dieser Allmächtige dazu imstande ist, alle Zukunft und den gesamten Bereich der Möglichkeiten zu erschaffen und dessen Einzigartigkeiten zu manifestieren.

Tatsächlich muss derjenige, welcher einen Apfel schaffen kann, sicherlich auch dazu in der Lage sein, alle Äpfel in der Welt zu erschaffen und einen grossen und weiten Frühling ins Land zu rufen. Wer nicht den Frühling machen kann, der kann auch keinen Apfel erschaffen. Denn der Apfel ist auf der selben Werkbank verfertigt... Wer einen Apfel erschaffen kann, vermag auch den Frühling ins Dasein zu bringen. Ein Apfel ist ein kleines Beispiel für einen Baum, ja einen Garten, ja sogar für den ganzen Kosmos. Betrachtet man vom künstlerischen Standpunk aus einen Apfelkern, der in sich die gesamte Lebensgeschichte eines reisigen Baumes enthält, dann ist dieser Kern ein solches Kunstwerk, dass der, welcher ihn so erschuf, sich vor keinem Ding mehr als ohnmächtig erzeigen kann. In gleicher Weise ist der, welcher den heutigen Tag erschuf, auch dazu imstande, den Tag der Auferstehung auszurufen;

und er kann nur dann den Frühling erschaffen, wenn er zugleich auch der Herr (Zat) ist, mächtig, die Versammlung (der Toten) zustande zu bringen. Derjenige, welcher alle Welten der Vergangenheit mit vollkommener Weisheit und Ordnung wie auf einem Filmstreifen aufgenommen hat und vorführen kann, ist sicherlich auch dazu imstande, auch noch andere Welten, aufgenommen auf dem Film der Zukunft, zu zeigen; und er wird sie vorführen. In vielen Abhandlungen ("Sözler"), besonders aber in der 26. Abhandlung haben wir mit völliger Gewissheit bewiesen, dass "derjenige, welcher nicht alles erschaffen kann, gar nichts erschaffen kann und derjenige, der ein einziges Ding erschaffen kann, alle Dinge erschaffen kann. Schreibt man zudem die Erschaffung der Dinge einem einzigen Wesen (Zat) zu, werden alle Dinge so einfach wie ein einziges Ding. So wird alles einfach und leicht. Schreibt man sie aber verschiedenen Ursachen zu, stützt sich auf deren Vielzahl, dann wird die Erschaffung eines einzigen Dinges so schwer, wie die Erschaffung aller Dinge und es entsteht eine Schwierigkeit, die einer Unmöglichkeit gleichkommt..."als die Wunder Seiner Allmacht bezeugen, dass ER auch für alle künftigen Zeiten der Allmächtige im Bereich alles Möglichen ist und Winter und Frühling, die dem Untergang der Welt und der Auferstehung gleichen, offensichtlich zu jeder Zeit schafft?! Da aber nun einmal in dieser Welt keine entsprechende Abrechnung gehalten und ein Urteil nicht gefällt wird, wird der Mensch sicherlich vor einen obersten Gerichtshof gestellt werden und einer höchsten Glückseligkeit entgegengehen...

 

Achte Wahrheit: Das Tor der Verheissung von Lohn und Strafe ist die Manifestation Seiner Namen "Cemil(Schönheit)" und "Celil (grossartig und gewaltig)".

Ja wäre es den überhaupt möglich, dass der Meister dieser Kunstwerke in Seiner Allwissenheit und Allmacht Seine stets wiederholte Verheissung von Lohn und Strafe, welche alle Propheten übereinstimmend verkündet haben und alle Getreuen (Siddiq) und

Freunde (Auliya) Gottes einstimmig bezeugt haben, nicht wahr machen und sich so - Gott bewahre! - als schwach und unwissend (cahil) erweisen sollte? Denn alles, was ER als Lohn und Strafe verheissen hat, ist für Seine Allmacht keineswegs schwer zu erfüllen. Es ist sehr einfach und leicht... so leicht, wie die zahllosen Geschöpfe des vergangenen Frühlings teils (Anm. 1)

Anmerkung 1) Wie die Wurzeln der Bäume und Gräser wieder zu beleben, teils neu (Anm. 2)

Anmerkung 2) Wie die Blätter und Früchte hervorzubringen.

Es ist aber sowohl für uns, als auch für alle Dinge, als auch für Ihn selbst und Seine Königsherrschaft ausserordentlich notwendig, dass ER den verheissenen Lohn auch zugesteht. Seine Verheissung nicht zu erfüllen aber wäre sowohl dem Ansehen Seiner (göttlichen) Macht entgegengesetzt als auch ein Widerspruch zu der Weite Seiner Allwissenheit. Denn ein Bruch Seines Versprechens könnte entweder nur aus Unwissenheit (cahil) oder nur aus Schwäche erwachsen.

Oh du Leugner! Weisst du, was für ein Verbrechen du in deiner Dummheit mit deinem Unglauben und deiner Verleugnung begehst? Du bestätigst, dass dich deine eigene Phantasie belügt, dein Verstand dich in die Irre führt, deine Seele (nefs) dich betrügt, und leugnest so einen Herrn (Zat), der keineswegs dazu gezwungen sein kann, Lug und Trug zu begehen, zu dessen Ruhm und Ansehen keineswegs eine Lüge passt und dessen Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit alle sichtbaren Dinge und Geschehnisse bezeugen. In deiner unendlichen Kleinheit begehst du ein unendlich grosses Verbrechen! Sicherlich verdienst du dafür eine grosse und ewige Strafe. Man berichtet, dass ein Zahn bei manchen Bewohnern der Hölle so gross wie ein Berg sei. Dies möge als Massstab für die Grösse seines Verbrechens dienen. Du bist mit einem Reisenden zu vergleichen, der seine Augen vor dem Sonnenlicht verschliesst und die Traumbilder betrachtet, die er im Kopf hat. Seine Einbildung möchte ihm seinen schrecklichen Weg einem Leuchtkäfer gleich erhellen, als habe er einen Scheinwerfer auf seinem Kopf. Was aber Gott der Gerechte, dessen Schöpfung Sein zuverlässiges Wort ist, das recht spricht und dessen Wunderzeichen (Ayat) die Geschehnisse im Kosmos sind, die die Wahrheit verkünden, einmal versprochen hat, das wird ER sicherlich auch halten. ER wird einen höchsten Gerichtshof abhalten und höchste Glückseligkeit verleihen.

 

Neunte Wahrheit: Das Tor zu Leben und Tod ist eine Manifestation Seiner Namen "der Lebendige (Hayy)" und "der Unwandelbare (faayyum)", "Lebensspender (Muhyi)" und "Todbringender (Mumit)".

Ja wäre es denn überhauptmöglich, dass ein Allmächtiger, Allbarmherziger, Allwissender und Allweiser, der die tote, dürre, weite Erde wiedererweckt und wiederbelebt, der Seine Macht dadurch erweist, dass ER unter dieser Seiner Belebung mehr als dreihunderttausend Schöpfungsarten wieder hervorruft und verbreitet, deren jede einzelne hervorzubringen so wunderbar ist wie einen Menschen aufzuerwecken und der Sein allumfassendes Wissen dadurch erweist, dass ER diesen Unterschiede mit letzter Feinheit und Vorzüge zumisst, während ER sie hervorruft und verbreitet, obwohl sie doch so sehr. unter einander vermischt sind, und der die Blicke aller Seiner Diener und Anbeter auf die ewige Glückseligkeit hinlenkt, indem ER den Menschen mit all Seinen himmlischen Erlassen die Auferstehung verspricht und der Seine gewaltige Herrschaft dadurch erweist, dass ER alle seine Geschöpfe dazu veranlasst, Kopf an Kopf, Schulter an Schulter und Hand in Hand miteinander zusammenzuwirken, sich im Kreise Seines Willens und Befehls zu bewegen, einander Hilfe zu leisten und sich Ihm zu unterwerfen und der dadurch, dass ER den Menschen als die vielseitigste, zarteste, empfindsamste, anspruchsvollste und sonnenhungrigste Pflanze am Baume der Schöpfung geschaffen, ihn als Seinen Partner im Dialog angenommen und ihm alles unterworfen hat, erweist, welchen Wert ER dem Menschen beimisst, die Auferstehung nicht zustandebringen sollte? Den Jünsgten Tag nicht heraufführen sollte oder könnte? Die Menschheit nicht auferwecken sollte oder könnte? Einen höchsten Gerichtshof nicht abhalten könnte? Himmel und Hölle nicht schaffen könnte? Nein, das alles ist durchaus unmöglich!...

Tatsächlich schafft der glorreiche Lenker dieser Welten in jedem Zeitalter, in jedem Jahr, an jedem Tag auf diesem engen vergänglichen Erdball viele, zahlreiche Beispiele, Zeichen und Gleichnisse der grossen Versammlung und den Platz der Auferstehung. Kurzum: Bei der Versammlung im Frühling sehen wir, wie ER innerhalb von fünf sechs Tagen mehr als dreihunderttausend Arten kleiner und grosser Tiere und Pflanzen hervorbringt und verteilt. ER belebt die Wurzeln aller Bäume und Gräser und schenkt ihnen und auch einem Teil der Tiere neues Leben. Die übrigen erschafft ER in einer der Gleichheit entsprechenden Ähnlichkeit wieder neu. Den Samenkörnchen aber, die sich in ihrer Zusammensetzung doch kaum von einander unterscheiden und noch dazu mit einander vermischt sind, werden innerhalb von sechs Tagen oder sechs Wochen ihre Vorzüge und ihre Unterschiede zugemessen und sie werden trotz dieser Schnelligkeit, Verbreitung und Leichtigkeit dennoch in vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit wieder belebt. Wäre es denn überhaupt möglich, dass dem Herrn (zat), der diese Handlungen vollbringt, irgendetwas schwer werden könnte? dass ER Himmel und Erde nicht innerhalb von sechs Tagen erschaffen könnte?Oder die Menschen nicht auf einen Posaunenstoss hin versammeln könnte? Bewahre!... Nehmen wir einmal an, es gäbe einen mit einer wunderbaren Fähigkeit begabten Dichter, der innerhalb einer einzigen Stunde dreihunderttausend Bücher, deren Buchstaben teils halb verwischt, teils gänzlich unleserlich geworden sind, zu gleicher Zeit auf einem einzigen Blatt wunderschön und fehlerfrei niederschreiben könnte, ohne die Buchstaben zu verwechseln, ohne sich zu irren, ohne einen auszulassen oder zu vergessen. Käme dir dann jemand, der behauptete, dass der Dichter dein Buch, dass er verfasst hat und das ins Wasser gefallen ist, in einer Minute aus dem Gedächtnis neu schreiben könne, würdest du dann sagen: er kann es nicht, ich glaube das nicht?... Oder ein wundertätiger König würde, um seine Macht zu zeigen, oder eine Lehre zu erteilen oder eine Vorführung zu veranstalten mit einem Fingerzeig Berge aufheben und Länder umgestalten und du könntest sehen, dass er das Meer in Land verwandelt hat. Wenn du dann einen grossen Stein siehst, der in einen Bach gerollt ist und den Gästen, die der König zu seinem Gastmahl eingeladen hat, den Weg versperrt, so dass sie nicht weiter gehen können und es käme dir jemand und sagte,dass der König diesen Stein, und sei er auch noch so gross, mit einem Fingerzeig aufheben oder zum Verschwinden bringen könnte; er werde seine Gäste nicht auf ihrem Wege allein lassen, würdest du ihm dann entgegnen, er werde sich nicht darum kümmern oder sei nicht dazu in der Lage?... Oder ein Herr würde an einem Tage ein Heer neu aufstellen und es käme dir jemand und sagte, dieser Herr werde seine Bataillone, dessen Soldaten sich zu einer Ruhepause verstreut haben, mit einem Pousaunenstoss wieder versammeln und die Bataillone würden sich wieder geordnet formieren, würdest du ihm dann zur Antwort geben: Ich glaube es nicht!? Verstehtst du nun, wie töricht du dich verhältst?...

Wenn du also jetzt diese drei Gleichnisse verstanden hast, dann betrachte einmal, wie der ewige Designer das weisse Blatt des Winters vor unseren Augen umwendet, das grüne Blatt des Frühlings und des Sommers offenlegt und mit der Feder Seiner Macht und Seines göttlichen Wissens (Qader) in schönster Form mehr als dreihundert-tausend Schöpfungsarten über das Antlitz der Erde hin wie auf ein Blatt aufzeichnet. Sie beinträchtigen einander nicht und geraten nicht durcheinander. ER zeichnet sie alle gleichzeitig auf und doch stören sie einander nicht. Sie bleiben nach Form und Inhalt von einander getrennt und vermischen sich nicht. Seine Zeichnung ist ohne einen Fehler. Ja darf man denn da noch fragen, wie dieser allweise und allerhaltende Herr (Zat), der das Programm auch des grössten Baumes gleich seiner Seele wie einen Punkt, selbst in den kleinsten Kern hineinsetzt und bewahrt, die Seelen der Verstorbenen bewahren kann? Ja darf man denn da noch fragen, wie der Allmächtige, der den Erdball wie in einer Schleuder herumwirbeln lässt, diese Erde Seinen Gästen aus ihrem Weg ins Jenseits räumen oder beseitigen kann? Ja darf man denn da noch fragen, wie der Herr in Seiner Majestät, der die Heerscharen alles Lebendigen aus dem Nichts heraus wieder neu schafft und in vollkommener Ordnung die Zellen in den Bataillonen aller Körper mit dem Befehl: aushebt und einberuft und so die Heere aufstellt, mit einem Posaunenstoss die Grundbestandteile und Wesenselemente versammeln könne, die ja einander bereits kennengelernt hatten, als sie sich unter dem Kommando des Bataillons, dem der Körper gleicht, zusammengefunden hatten?

Überdies kannst du mit eigenen Augen betrachten, welch reichen Schmuck ER als Muster als Entwurf, als Skizze der Auferstehung in jeder Kulturepoche, in jedem Zeitalter, ja sogar im Wechsel von Tag und Nacht, ja selbst in der Bildung und Wiederauflösung der Wolken schafft, welcher der Wiederversammlung im Frühling gleich ist. Ja, wenn du dich in deiner Phantasie tausend Jahre zurückversetzt und dann Vergangenheit und Zukunft, welche die beiden Flügel der Zeit sind, einander gegenüber stellst, kannst du so viele Beispiele der Wiederversammlung und Vorbilder der Wiederauferstehung betrachten, wie der Zahl der Zeitalter und Tage entspricht. Wenn du dann noch, trotz so vieler Beispiele und Vorbilder, die du betrachtet hast, die leibliche Auferstehung für unverständlich und unvorstellbar halten und deshalb leugnen wolltest, so begreifst du nun, was für ein Irrsinn das wäre... Siehe nun, was der grosse königliche Erlass (Ferman-ý Azam=der Quran) über die Wahrheit sagt, die wir besprochen haben:

Kurzum: Es gibt nichts, was die Wiederauferstehung unmöglich macht. Für das, was sie notwendig erscheinen lässt, spricht aber alles. Die glorreiche und ewige Herrschaft, die allmächtige und allumfassende Macht desjenigen, der dieser weiten Erde als Ort der Wiederversammlung einem einzelnen Tier gleich das Leben und den Tod schenkt, und sie für Mensch und Tier zu einer schönen Wiege oder einem prächtigen Schiff gemacht hat, die Sonne zu einer Licht und Wärme spendenden Lampe in der Herberge dieser Welt und die Planeten den Engeln zu Flugzeugen, kann sich unmöglich nur auf die vergänglichen, brüchigen, unsteten, bedeutungslosen, veränderlichen, unbeständigen, mangelhaften und unvollkommenen Angelegenheiten dieser Welt stützen oder auf sie beschränkt bleiben. Anders gesagt: es gibt noch einen anderen Ihm würdigen, dauerhaften und beständigen Ort voll Majestät, der nicht dem Verfall unterworfen ist. Bei Ihm gibt es noch ein anderes, beständiges Reich und um dieses sollen wir uns bemühen. Dorthin lädt ER uns ein. Alle Menschen erleuchteten Geistes, alle geistigen Pole (Qutub) einer inneren Ausstrahlung, alle Menschen, die einen klaren Verstand besitzen und mit der Nähe Seiner Gegenwart geehrt wurden, bezeugen, dass ER uns dort hinüberholen wird, berichten einstimmig, dass ER Lohn und Strafe dort für uns bereit hält, teilen uns mit, dass ER uns wiederholt sehr starke Verheissungen gegeben und sehr ernsthafte Warnungen ausgesprochen hat.

Sein Versprechen nicht einzulösen aber wäre sowohl eine Erniedrigung als auch eine Entwürdigung. Das wäre in keiner Weise mit der Erhabenheit (celal) Seiner Heiligkeit zu vereinbaren. Eine Drohung nicht wahrzumachen wäre in gleicher Weise ein Zeichen der Verzeihung oder der Schwäche. Unglaube aber ist ein unendliches Verbrechen. (Anm.)

Anm. Tatsächlich setzt der Unglaube den Wert des Seins herab und unterstellt ihm Bedeutungslosigkeit. Er ist eine Geringschätzung gegenüber dem ganzen Kosmos und eine Verleugnung der Manifestation der Gottesnamen in den Spiegeln des Seins, eine Verspottung aller Gottesnamen und weist das Zeugnis allen Seins von der Einheit Gottes (vahdaniyyet) zurück. Er erklärt die Erschaffung der Welt als Lüge. Er verdirbt die Fähigkeiten der Menschen in der Weise, dass dieser unwürdig wird, Frieden und Wohltaten zu empfangen. Zudem ist er ein so gewaltiges Unrecht, weil er ein Verletzung des Rechtes der ganzen Schöpfung und aller Gottesnamen darstellt. So also erfordert die Wahrung des Rechtes in Anbetracht dessen, dass die Seele des Ungläubigen nicht mehr dazu in der Lage ist, das Gute anzunehmen, dass der Unglaube nicht mehr vergeben werden kann. bringt , das Gesagte zum Ausdruck.

Ihn zu entschuldigen ist nicht möglich... Hinzu kommt noch, dass der Allmächtige von jeglicher Schwäche frei und unberührt ist. Dessen sind sich alle Zeugen und Verkündiger, obwohl sie sich in ihren Wegen, Veranlagungen und Rechtsschulen unterscheiden, im Grundsatz dieser Frage unbestritten einig. Aufgrund ihrer Vielzahl erreichen sie den Grad allgemeiner Übereinstimmung (tevatür), und ihre Stimme hat das Gewicht einer ganzen Gemeinschaft. Jeder von ihnen bekleidet den Rang eines Sternes der Menschheit, ist das Auge einer ganzen Gemeinschaft und eine heiligmässige Persönlichkeit in einem gläubigen Volk. Ihrer Bedeutung entsprechend sind sie in dieser Frage Fachleute, deren Aussage sowohl sachkundig als auch beweiskräftig ist. Dabei werden auf wissenschaftlichem oder künstlerischem Gebiet die Aussagen zweier Fachleuten denen von tausend anderen Leuten vorgezogen und die Nachricht zweier Zeugen wiegt schwerer als tausend Dementis. So macht z. B. die Nachricht zweier Männer, welche zu Beginn des Monats Ramadan die Mondsichel (hilal) gesehen haben, das Dementi von tausend Dissidenten zunichte. Kurzum: Es kann in der Welt keine Botschaft geben, die richtiger, keine Verkündigung, die zuverlässiger, keine Wahrheit, die offensichtlicher wäre als diese. Das heisst, die Welt ist zweifelsohne ein Acker. Die Wiederversammlung ist die Zeit, die Ernte zu dreschen. Himmel und Hölle aber sind wie je eine Scheune.

 

Zehnte Wahrheit: Das Tor der Weisheit (hikmet), der Gnade (inayet), der Barmherzigkeit (rahmet) und der Gerechtigkeit (adalet) ist die Manifestation Seiner Namen "Allweiser (Hakim), Freigebiger, (Kerim), Gerechter (Adil) und Barmherziger (Rahim)."

Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass im ganzen Umkreis des Reiches der Königsherrschaft über Himmel (melekut) und Erde (mülk) dessen, der in Seiner Majestät (zul'-celal) Eigentümer des Reiches (maliku-l mulk) ist und dessen Werke in dieser unbeständigen Herbergen, an diesem vergänglichen Ort der Prüfung, auf diesem